Leben wie Gott in Frankreich?

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Der Kulturkiller eines UNESCO-Weltkulturerbes

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Auch in Frankreich zerstört das Rauchverbot die vielgerühmte Bistro- und Eßkultur und immer mehr Gaststätten melden Konkurs an.

Die Franzosen nehmen sich seit Menschengedenken, und nicht etwa erst seit der Einführung der «35 Stundenwochen Reform» unter der Regierung Jospins, zum Mittagessen ausgiebig Zeit. Sie zelebrieren täglich den Genuß mit drei- oder mehrgängigen Menüs und einer guten Flasche Wein. Dabei darf auch der Tabak zum Calvados oder Cognac als krönender Abschluß nicht fehlen. Die UNESCO selbst hat die «Eß- und Tischkultur» Frankreichs, die auch die Kultur des Genusses beinhaltet,  unter den Schutz des Weltkulturerbes gestellt.

Gähnend leere Bistros

Seit dem Inkrafttreten des Rauchverbotes verlagern sich nun die Lokalitäten und die hohe Kunst der Küche: Frankreichs Gourmets und Gourmands kaufen mittags immer öfter nur noch ein belegtes Brot oder einen Hamburger, statt sich ausgiebig den kulinarischen Genüssen hinzugeben. Dies geschieht ausgerechnet in dem Land, wo die Gastronomiekultur weltweit als das unerreichbare Maß aller Küchen gilt. Doch nun findet der von ihnen bisher so verabscheute Fastfood auch bei den Franzosen Einzug – über die Hintertüre des Rauchverbotes. Die pièce de résistance scheint gefallen zu sein. Was Disneyland und der Kanaltunnel zu den britischen Inseln nicht schafften, schafft die Kapnophobie. Die verpönten amerikanischen Sautröge und Massenabfertigungshallen wie McDonalds, Pizza Hut oder Kentucky Fried Chicken haben nun auch die letzte Bastion einer Kultur erobert, die einst zu dem Ausspruch «Leben wie Gott in Frankreich» führte.

Einige hartnäckige Genußmenschen haben das Mittagessen in ihre eigenen vier Wände verlagert und pflegen das mehrgängige Menü nicht mehr in der Öffentlichkeit, denn aus dieser sind sie verbannt. Andere, die den Aufwand selbst zu kochen scheuen, essen über Mittag gelangweilt, wie Zürcher Banker in ihrer halbstündigen Mittagspause, in der Betriebskantine und harren dort der Dinge, die da kommen.

Dieses Rauchverbot bekommt die Gastronomie im Land der Feinschmecker schmerzhaft zu spüren. So stieg die Zahl der Restaurants, Hotels und Cafés, die im ersten Halbjahr nach dem Rauchverbot dieses Jahres Konkurs anmelden mußten, nach Angaben des Verbandes der Hotelindustrie UMIH (Union des métiers et des industries de l’hôtellerie) im Vergleich zum Vorjahr um volle 37,5 Prozent.

Man muß sich diese Zahl mal auf der Zunge zergehen lassen. In gerade mal sechs Monaten verschwinden fast zwei Fünftel mehr Lokale, wo sich Menschen treffen, austauschen und kennenlernen, als zuvor. Eine Hochkultur der Freundlichkeit, des Miteinanders und des gemeinsamen Déjeuner wird wegen eines Hoaxes, eines angeblich gesundheitsschädlichen Passivrauches innert weniger Jahre zerstört. Menschen werden in die Einsamkeit getrieben, Kontaktarmut und Panikattacken machen sich breit, und innerhalb weniger Jahre werden Depressionen und psychosomatische Beschwerden produziert. Der einzige Gewinner dieser unmenschlichen, bigotten und kulturlosen gesellschaftlichen Zerstörungswut ist die Gesundheitsindustrie mit ihren Pillendrehern, also die seit Jahren bereits weltweit schnellstwachsende Branche, welche ihren Hals einfach nicht voll kriegen kann, egal um welchen Preis.

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Mir treibt’s die Tränen in die Augen,

car Dieux a abandonné la France.

28 thoughts on “Leben wie Gott in Frankreich?

  1. Salve
    Ach komm schon, Rauchen macht krank, die einen mehr, die anderen weniger. Das ist ein nicht weg zu diskutierender Fakt. Meiner bescheidenen Meinung nach… ich werde es geniessen, weiterhin nicht im Restaurant zu essen. Aber in Italien… da geniesse ich das Essen schon ein bisschen mehr, muss ich zugeben.
    Ich meinte aber, es müsste eine andere Variante geben, als ein striktes Verbot. Vielleicht nach dem Motto 50qm entweder Rauchfrei oder dann getrennte Räumlichkeiten.
    Sollte doch machbar sein…

  2. Rauchen KANN krank machen und bei (genetisch) prädestinierten Menschen Krankheiten, die früher als normal zum Tode führen, verursachen – muß es aber nicht.

    Passivtabakrauch hingegen, worauf sich ja diese hirnrissige Gesetzgebung beruft, ist mit einem Relativen Risiko aller in dieser Beziehung existierenden Studien von im Durchschnitt 1.16 (1.0 = absolut keine Relevanz) ein veritabler Hoax, der die ganze Welt über die WHO zum Narren hält und über die Pharmamafia und der schnellstwachsenden Gesundheitsindustrie seit Jahren als Steigbügelhalter für unverschämte Gewinne dient.

    Wie gefährlich ist Passivrauch wirklich?

    Wer mir einen Passivrauchtoten mit Namen nennen kann, wissenschaftlich neutral bewiesen, der findet in mir sofort einen Nichtraucherschützer – aber niemals zuvor.

  3. Unter Berücksichtigung der Unsicherheiten bei der Feststellung der Passivrauchexposition (Fragebogen der WHO liegt vor!) und der Biases (Voreingenommenheit, Erinnerungsvermögen, Verzerrung, Nichtpublikation) wird in der Epidemiologie ein statistisches relatives Risiko (RR) von unter 100% oder gar 200% als nicht schlüssig betrachtet. Das ist bei Studien über den Passivrauch allerorten kollektiv der Fall.

    Kommt noch hinzu, dass der Konfidenzintervall bei der WHO-Studie das relative Risiko 1.0 (=kein Risiko) zusätzlich mit einschließt. Im Klartext bedeutet das, dass wenn man diese einzelne Studie genügend oft unter denselben Voraussetzungen wiederholen würde, mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit die RRs im Bereich zwischen 0.93 und 1.44 lägen.
    [WHO: 1.16 (95% CI = 0.93-1.44)]. Der Wert von 1.16 ist dabei nicht wahrscheinlicher für ein gesundheitliches Risiko von Passivrauch, als die Werte zwischen 0.95 oder 1.3.

    Assoziationen/Korrelationen (wie im Fall der Passivrauchstudien) sind noch kein Beweis für Kausalität. Es ist, um Fanatikern entgegenzukommen, im besten Fall eine Ahnung, im schlimmsten Fall eine psychopatologische Phobie!

    Um ein Beispiel zu nennen:

    Der Dow Jones Industrial Index korrelierte in den vergangenen 80 Jahren ausnehmend gut mit der Sonnenflecken-Aktivität. Es wäre absurd, anzunehmen, dass der DJI die Sonnenflecken oder die Sonnenflecken den Verlauf des DJI verursachen würden.

    A look at the DJI Average & Sunspots

  4. Ein grundlegendes Problem ist in Frankreich, daß leider kein flächendeckender Widerstand von der Bevölkerung ausgeht, bzw. die Unterstützung der Wirte im Volke fehlt. Wie ich erfuhr, finden in Frankreich alltäglich Polizei-Razzien statt, welches bei uns in Deutschland (noch) undenkbar wäre, zumal auch die Gelder fehlen, um solche Inquisitoren zu bezahlen. – Solange aber solch amerika-hörige Schergen wie Sarkozy noch nicht aus ihren Ämtern gejagt werden, wird sich dort auch nichts wesentlich ändern. Frankreich als Widerstandshort gegen die Amerikanisierung ist passé.

    Möglicherweise könnte! in ein paar Jahren der Widerstand aus anderen europäischen Ländern auf Frankreich übergreifen, doch bis dahin ist schon soviel an einheimischer Bistrot-Kultur unwiederbringlich zerstört, daß es nie mehr das Frankreich sein wird, das ich in meiner Jugendzeit kennen- und schätzen gelernt habe. Von meiner Seite aus wird dieses Land als Urlaubsland boykottiert, denn für Fastfood-System-Gastronomien bezahle ich doch nicht noch – zumal ich jene nicht mal im eigenen Land unterstütze. Erst ab dem Zeitpunkt, ab dem die Touristenbranche empfindliche Einbußen zu verzeichnen hat, wird dort das Volk aufwachen.

    Grüßlis aus dem Ländle, von

    Muna

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  18. Zu der schon gebetsmühlenartig heruntergeleierten Passivrauch-Geschichte fällt mir immer ein gutes Zitat von Brecht ein:

    „Nun ist die Wissenschaft selber bei weitem nicht so frei
    von Aberglauben, wie sie selbst vorgibt.
    Wo ihr Wissen nicht ausreicht, da produziert sich ihr Glaube,
    und das ist immer ein Aberglaube.“

    (Bertholdt Brecht)

    Fazit: Der Weg ins technisierte Mittelalter ist geebnet – leider nicht nur in Frankreich – insofern die Bayern jetzt, die sie die große Chance am 4.Juli haben, diesem Wahnsinn keinen Einhalt gebieten. Baden-Württ. ist wie seither noch ein Raucherparadies, und ich hoffe, daß dieses auch so bleibt.

    Grüßlis aus dem Ländle, von Muna

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