GB: Zunahme Kneipensterben um 1’381 Prozent

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Sehr geehrter Herr Frech

Ich nehme Bezug auf Ihren «Digestif» vom Dezember 2007, adressiert an den Präsidenten der GastroSuisse. Gelegentlich ist man ganz einfach etwas falsch informiert, da bekanntlich weder Massenmedien noch Interessengruppierungen  zu ausgewogener Berichterstattung verpflichtet sind. Oder weil man unbewußt ein Vorurteil nährt oder es gar absichtlich nähren will.

In diesem Sinne dürfte Ihnen die Tatsache, dass Rauchverbote sehr wohl zum Umsatzrückgang führen können, nicht bekannt gewesen sein.

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Das Rauchverbot sowie hohe Kosten haben in Großbritannien zu einem massiven Kneipensterben geführt: Im vergangenen Jahr hätten wöchentlich fast 30 Pubs geschlossen, teilte die British Beer & Pub Association am Freitag mit. Insgesamt machten 1409 Lokale dicht – im Jahr 2006 waren es nur 216 und im Jahr zuvor 102.

Vor allem in Großstädten sei diese Entwicklung zu beobachten gewesen. Dort hätten im vergangenen Jahr schätzungsweise zwei Prozent aller Kneipen geschlossen. In Städten könnten die Betreiber von Lokalen ihren Gästen keine Raucherbereiche zur Verfügung stellen, sagte Sprecher Neil Williams.
Source: British Beer & Pub Association
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Fassen wir zusammen:

2005..102 Lokale bankrott =……100 %
2006..216 Lokale bankrott =.+..212 %
2007..1409 Lokale bankrott =.+652 % (ggü. 2006)
2007..1409 Lokale bankrott =.+ 1381 % (ggü. 2005)

Am 1. Juli 2007 trat in ganz Großbritannien das Rauchverbot in Kraft! In Schottland gilt das Verbot bereits seit 2006, in Wales und Nordirland seit April 2007.

-> Handelsblatt – Amtlich erwiesen – Rauchverbot kostest Kneipenumsatz
-> hottelling – Umsätze sind erherblich eingebrochen
-> people – Pubs in Danger!

In Ihrem Editorial schreiben Sie:

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Eine Studie der Universität Boston (USA) im Gliedstaat Massachusetts hatte während fünf Jahren das Rauchverhalten von 3000 Teenagern im Alter von 12 bis 17 Jahren zum Inhalt. Das Fazit: Je rigoroser das Rauchverbot in den Restaurants einer Stadt, desto seltener werden sie zu Rauchern. Wo das Rauchen strikt eingeschränkt ist, werden Rauchende weniger positiv wahrgenommen. Rauchverbote in Gaststätten sind demzufolge die effektivste Massnahme zur Tabakprävention bei Jugendlichen.
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Gestatten Sie mir die Frage: Geht es Ihnen um «Nichtraucherschutz» oder um soziales Engineering, bei dem die Gastwirtschaft als Erfüllungsgehilfe für die Gesundheitspolitik in die Pflicht genommen werden soll. Werden Sie demnächst auch Einschränkungen beim Alkoholausschank fordern? Oder gar die Beschränkung der pro Person servierten Rationen sowie die Verpflichtung zur Angabe der chemischen Zusammensetzung der Menus verlangen?

Welche Restaurants besuchen diese 12 bis 17 Jährigen denn tatsächlich so häufig? Wohl eher die vom Rauchverbot profitierende Systemgastronomie, die sich auf dem Weg zur Bank ins Fäustchen lacht, weil die Rauchverbote ganz in ihrem Sinne sind. Drinnen kaufen – draussen rauchen. Das verkürzt die Verweildauer und steigert den Umsatz solcher weltweit operierenden Konglomerate enorm. Das Nachsehen haben die Landbeiz, die Eckkneipe, die gemütliche Bierbeiz und das gesamte soziale Bezugsnetz eines jeden einzelnen. Heutzutage wird die Assozialität vieler beklagt; man ist aber nicht bereit, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Stattdessen werden sie noch gefördert.

Derselbe von Ihnen zitierte Autor (M. Siegel) hatte 1998 eine Studie veröffentlicht, in der er den Rückgang des Rauchens bei Jugendlichen auf die Anti-Tabak-Medienkampagnen zurückführt. Wenn beide Studien zusammengenommen zu einem Rückgang von über 100% kommen, muss der Fehler in der statistischen Methode liegen! Oder es wurde absichtlich geflunkert.

Rigorose Rauchverbote in Restaurants und limitierte Rauchfreiheit in nicht bedienten, speziell belüfteten Räumen könnten dazu führen, dass sich tatsächlich viele Gastro-Betriebe sozusagen in Rauch und Luft auflösen müssen. Der Mythos von der reinen Luft in unseren Städten und dem tödlichen Passivrauch in Restaurants scheint eher der größte Hoax aller Zeiten zu sein. Lesen Sie dazu bitte weiter unten.

Digestif: enthält in der Regel Alkohol, eine gemäss WHO krebserzeugende Substanz. Alkohol verdunstet und wird in Form von Passivalkohol auch von Jugendlichen und vom Personal eingeatmet. Wann kommt die Forderung nach nicht bedienten Buvoirs?

Noch ein Jahr zuvor, im Dezember 2006, schrieben Sie bezüglich der neuen Promille-Grenze folgendes:

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Herr Klaus Künzli
Zentralpräsident von GastroSuisse
Blumenfeldstrasse 20
8048 Zürich

Bern, 4. Dezember 2006/RF

Sehr geehrter Herr Künzli

Neulich, beim Durchblättern alter GOURMET aus dem Jahre 1999, ist mir das Resultat einer unserer damaligen repräsentativen Branchenumfragen begegnet: Damals gaben 80 Prozent der Gastro-Unternehmer an, dass sie von GastroSuisse wirksame Massnahmen zur Lösung des damals bevorstehenden Promille-Problems erwarten würden. In der Zwischenzeit ist die neue Promille-Grenze Tatsache. Vor allem die Landgasthöfe spüren die Folgen in Form starker Frequenz- und Umsatzeinbussen.


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Bei einem Rauchverbot wären die Auswirkungen um ein Vielfaches fataler. Es scheint, die Gastronomie, so wie wir sie bisher kannten, wird auf dem Altar der Gesundheitshysterie geopfert. Ein nicht mehr aufzuhaltender, regulierungswütiger, an der Leine der WHO geführter Staat, der mehr und mehr in die persönliche Freiheit und verbrieften Eigentumsrechte seiner Bürger eingreift und sich als Kindermädchen aufspielt, indem er ungefragt Verhaltenstherapie an der mündigen Bevölkerung mittels unbewiesenen Behauptungen betreibt, gibt der altehrwürdigen Schweizer Gastronomie sehr bald und endgültig den Todesstoss. Seien Sie sich dessen versichert.

Weitere Quellverweise, damit Sie sich nicht versehentlich mit Unwissen blamieren. Lassen Sie sich nicht von den am lautesten schreienden Agitatoren übertölpeln, informieren Sie sich umfassend. Unwissenheit und Polemik sind keine akzeptablen Grundlagen für einen Journalisten (These und Antithese) und schon gar nicht für politische Entscheidungen:

  • Prof. Dr. Philippe Even, Lungenspezialist, Paris: Die Passivrauchlüge ist Betrug am Bundesbürger und unzulässige Volkshetze – http://snipurl.com
  • Dr. Jörg Gölz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin: Werden jetzt die Raucher stigmatisiert? – http://snipurl.com
  • Prof. Dr. Romano Grieshaber, Präventionsleiter Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten: Zwei Drittel der 3.300 «Passivrauch-Toten» älter als 85 – Entscheidungsgrundlagen für Rauchverbote in deutschen Gaststätten zweifelhaft – http://snipurl.com
  • Prof. Dr Romano Grieshaber, Präventionsleiter Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten: Bewertung arbeitsbedingter Erkrankungen mittels Kennziffern und Expertisen – http://snipurl.com
  • Prof. Dr, Ing Günter Ropohl, Prof. emeritus: Raucher aller Länder, vereinigt euch! – http://snipurl.com
  • Prof. Dr. Überla, Mediziner: Verursacht Passivrauchen (ETS) Lungenkrebs? – http://snipurl.com
  • Prof. Dr. Michael Siegel, Universität Boston: Center for Public Accountability in Tobacco Control – http://snipurl.com

Carolus Magnus

Freidenker, Rebell und Nonkonformist schreibt provokativ, konzis, unkonventionell und unmißverständlich über/gegen das grassierende, genußfeindliche, puritanische Weltbild in unserer Gesellschaft. Stilmittel: Satire, Provokation, Humor, Karikatur und knallharte Facts. Ein MultiMediaMagazin für Jeden.

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13 thoughts on “GB: Zunahme Kneipensterben um 1’381 Prozent

  1. Das ist interessant!
    Als die A2 eröffnet wurde, gab es in Gurtnellen Wiler (Kanton Uri) auch ein Beizensterben. Die Erklärung war einfach: das Angebot war nicht mehr gefragt. Immerhin haben es drei Schwestern geschafft. Sie überlebten, indem sie ein exclusives Angebot präsentierten.
    «(…) Es ist ruhig geworden in Gurtnellen, seit der Eröffnung der Autobahn N2 im Jahre 1980. Die drei Schwestern Sicher: Evi, Leonie und Greta, führen hier seit Jahrzehnten gemeinsam einen kleinen Betrieb, das Hotel Gotthard, den man unter Denkmalschutz stellen müsste. Die drei haben eine Lebenserfahrung von gewiss 200 Jahren vorzuweisen. Und was sie vorzuweisen haben ist einmalig. Die Jüngste, Greta führt die Küche. Ausgezeichnete, klassische Küche, unverschnörkelt, wie sie nur noch selten zu finden ist. Wo gibts denn noch ein “Entrecôte Helder”? Keine amuse-geules, keine belegten Tellerränder, kein Türmchenbau, keine Balsamico-Zeichnungen, keine Erlebnis-Gastronomie. Der Service ist herzlich, es wird zügig aufgetragen. Was serviert wird, ist von erstklassiger Qualität, Marktfrische eine Selbstverständlichkeit, kein Werbeargument. Wer hier rastet, spürt kein Bedürfnis mehr, weiter in den Süden zu fahren. Januar/Mitte Februar gabs Urner Wochen. Wir haben gegessen: Urner Chässuppe, Älplermagronä, Cazzuola und Bristner Birä. (Ich arbeite an den Rezepten). Zurzeit ist das Haus geschlossen. Es wird geputzt. Ein beruhigendes Zeichen, es lässt hoffen, dass die Damen noch eine weitere Saison folgen lassen. Ich freue mich. Die Internetseite brauchen sie nicht aufzudatieren, die Gäste kümmerts nicht, die kommen wegen dem Essen. Nachtrag: Mitte März ist wieder offen. http://www.gotthardhotel.ch/hotel.htm

    Der Unternehmer, in diesem Fall der Beizer, Hotelier usw. sorgt für den unternehmerischen Erfolg. Kein Raucher und kein Nichtraucher kann an seiner Vision, so er denn eine hat, direkten Einfluss nehmen. Wer nichts zu bieten hat, verschwindet von der Bildfläche. Ich kann gut ohne Raucherbeiz leben! Ich finde die mir passenden Lokale ohne, dass ich nach einer Rauchfahne Ausschau halten muss!
    Fahren Sie doch mal zum Hotel Gotthard. Aber lassen Sie sich einen Platz reservieren!
    odh, http://personalblog.kaywa.com/

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