20 Franken pro Päckchen?

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Die willkürlichen Zahlen des BAG

In einer kurz vor Ende des letzten Jahres veröffentlichten Pressemitteilung läutet Bundespräsident Pascal Couchepin (FDP) das Jahr 2008 mit einer guten und einer schlechten Nachricht ein.

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Die „gute“ Nachricht:

Er will die Zahl der bereits als kriminell geltenden und landesweit diskriminierten Raucherinnen und Raucher reduzieren. Hartes Durchgreifen gegen Kriminelle verkauft sich politisch immer gut. Da hingegen die Gefängniskapazitäten für einen Drittel der Bevölkerung (noch) nicht ausreichen, will er die rauchenden Wähler erst mal auf einen Fünftel senken. Er will die Tabakstrafsteuer solange in die Höhe treiben, bis zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung entweder Privatkonkurs anmelden oder mit dem Rauchen aufhören müssen.

Das wird ihm aber nur bei den Niedriglohnempfängern gelingen. Somit gängelt und diskriminiert er getreu seiner Parteilinie nur solche Schweizer, die gewöhnlich nicht der FDP zugehörig sind, also wiederum die Schwächsten unserer Gesellschaft, die kaum in seiner Partei zu finden, geschweige denn vertreten sind. Kaum ein halbes Jahr nach dem Rentendiebstahl an den Invaliden will er unverfroren dem kleinen Manne, dessen noch einzig verbliebener und gerade noch knapp erschwinglichen Genuß rauben.

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Er will dies mittels massiven Tabakstrafsteuern tun um dann mit dem Strafsteuergeld, als bisher unerreichter Höhepunkt des politischen Zynismus den Raucher mit mehrheitlich getürkten, nicht mit dem Rauchen in Zusammenhang stehenden Ekelbildern beglücken. Die Anhänger und Vertreter der FDP hingegen können sich auch einen Preis von 20 Franken pro Päckchen inklusive elegantem Zigarettenetui aus Silber oder Platin leisten. In diesen Kreisen wird, des hohen Preises wegen das Rauchen schon bald wieder Statussymbol erreichen und der Tabakkonsum wird somit nur von der Unterschicht wieder in die Oberschicht getragen – so wie es bereits in den Roaring Twenties der Fall war und es mit den Einkommen seit 15 Jahren geschieht.

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Ich sage schon jetzt ein großes Umsteigen von der legalen Droge Tabak auf die illegale des Cannabis voraus. 850’000 Schweizer Cannabiskonsumenten können sich nicht irren und der Eigenanbau kommt um einiges billiger als die hohen Strafsteuern auf Tabak. Eine intelligentere (ist Couchepin eigentlich intelligent oder ist es bloß Walliser Bauernschläue?) Lösung wäre, Cannabis wieder als legal zu erklären, so wie vor zwei Jahren den verbotenen Absinth, darauf Steuern in Höhe des, zurzeit von der Mafia festgelegten Strafrisikozuschlages plus Reingewinn zu erheben und im Gegenzuge stets gleich sauberen Stoff an Personen über 18 Jahren in Apotheken und Drogerien gegen Altersnachweis abzugeben. Doch was tun die Schweizer Politiker? Sie verschenken seit 1951 Jahr für Jahr auf Druck der genußfeindlichen USA Riesensummen an Steuersubstrat an die Mafia, statt das Geld selbst einzukassieren. Vor 1951 war das Appenzeller Sonntagspfeifchen kaum je mit teurem Tabak gefüllt und die Bauern hätten keinen derart seligeren Blick gen Himmel richten können, wenn der Pfaff vorbeikam.

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Die schlechte Nachricht:

Die Krankenkassenprämien werden weiter steigen. Couchepin hat auch schon die Schuldigen für die hohen Prämien ausgemacht: «Das neue Tabakprogramm soll auch dazu beitragen, die Gesundheitskosten einzudämmen». Er geht dabei von der irrigen Annahme aus, daß Nichtraucher gesund leben und gesund sterben. Ein Blick in die Kosten-Statistiken würde ihn eines anderen belehren: die Krankheitskosten (nicht die Gesundheitskosten) steigen mit zunehmendem Alter progressiv an. Da Nichtraucher angeblich länger leben, tragen sie wesentlich stärker zu diesen Kosten bei.

Mit Hilfe des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hat Couchepin das Terrain in den vergangenen Jahren gut vorbereitet. So ließ er dessen Direktor, Thomas Zeltner, der soeben einen Prostatakrebstumor entfernen lassen mußte und nach eigenen Angaben noch etwas schwach auf den Beinen sei, im Oktober 2007 verkünden: «Die Folgen des Tabakkonsums kämen auf rund 10’000’000’000 Franken Gesamtkosten zu stehen».

Thomas Zeltner straft damit seine eigene Aussage vom 24. Juni 2005 gegenüber «Le Temps» Lügen, als er erklärte: «Die direkten und indirekten sozialen Kosten des Tabakkonsums belaufen sich auf 5’000’000’000 Franken, wovon das Wesentliche bereits von den Rauchern abgegolten ist».

Doch damit nicht genug – Zeltner widerspricht auch einer Studie der Uni Neuenburg, die im Auftrag seines eigenen Amtes 1995 (!) durchgeführt wurde. In dieser Studie kommt Prof. Jeanrenaud zum Schluß, daß sich die externen Kosten (diejenigen, die von der Allgemeinheit zu tragen sind) des Tabakkonsums auf 409 Millionen Franken belaufen (unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Raucher weniger AHV und Pensionszahlungen beanspruchen). Dem standen 1995 Einnahmen aus der Tabaksteuer von 1.3 Milliarden Franken gegenüber. Raucher sorgten also für einen Überschuß von rund 900 Millionen Franken in der Bundeskasse.

Welche Kosten bürden also Raucher ihren Mitbürgern wirklich auf? In der Studie von Jeanrenaud ist die Rechnung aufgeführt:

+ 1’718’000’000 Kosten im Jahr (Konstante Zahl Raucher)

– 1’309’000’000 für nicht beanspruchte AHV und Pensionskassen

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+ 409’000’000 Franken externe Kosten, die die Allgemeinheit zu tragen hat.

– 1’320’000’000 Franken Tabaksteuereinnahmen 1995 (!)

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+ 911’000’000 Franken „Gewinn“ 1995 (!)

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Jeanrenaud zur Weltwoche: «Seither hat die Größenordnung der externen Kosten wenig geändert, was stark geändert hat, ist der Ansatz der Besteuerung. Damit zahlen die Raucher sicher mehr als die externen Kosten, die sie verursachen».

Zum Vergleich: 2006 betrugen die Einnahmen aus der Tabaksteuer bereits 2’100’000’000 Franken. Viel Geld für Raucher und bereits viel zuviel Geld für die Finanzierung der wie Pilze aus dem Boden schießenden Staatsbevormunder. Zahlen einer Studie, die dem BAG nicht einmal behagt, obwohl sie sie selbst in Auftrag gegeben hatte und sich nun als Bundesamt für Gesundheit einfach eigene Zahlen phantasiert – auch wenn sie um 100 Prozent abweichen. Die meisten Leser oder Tagesschau-Gucker merken es ja eh nicht.

Eine unbequeme Wahrheit! Eine von den Medien unter den Tisch gewischte Wahrheit. Ein Politiker öffnet seinen Mund und es wird von ihnen als getreuer Bückling alles unhinterfragt, ohne korrigierende Kommentare, ohne eigene Recherche, publiziert, unter Umgehung des eigenen Denkvermögens des Journalisten oder Chefredakteurs. Man schreibt gegenseitig bloss noch ab und fröhnt dem lukrativen Mainsteam – ob oktroyiert oder aus Faulheit.

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Dies ist natürlich äußerst praktisch und bequem für unseren neu gewählten Bundespräsidenten, der mit gezielter Desinformation die steigenden Krankenkassenprämien dem Volk dadurch zu versüßen versucht, indem er den 30 Prozent rauchender Schweizer Bürger seines Landes in übler Nachrede die Schuld für seine eigene Unfähigkeit in die Schuhe schiebt, um sie dann gleich nochmals zur Kasse bitten zu können. Wie glaubwürdig ist unser Bundespräsident? Wie viele mutige Politiker mit Rückgrat hat das Parlament noch? Wir werden es in naher Zukunft wissen.

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Der Trend zur teuren Premium Zigarette ist in den USA schon länger zu beobachten und untermauert meine These, daß die Zigarette durch den hohen Preis wieder zum Statussymbol wird.

[Carolus Magnus]

BAG – Bundesamt für Großpannen

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Kostspielige IV-Revision

IV-Revision – Zynische FDP

IV-Revision – Ein Leerlauf

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