Wissenschaft verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit

Resultate stets kritisch hinterfragen!

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Statistiken und Studien können verdreht und manipuliert werden, um fast jedes erwünschte Ergebnis zu erzielen. Aber wer einmal weiß, wie Zahlen schön gerechnet werden, wird Unehrlichkeit einfacher erkennen. Hier eine kleine Anleitung.

Im Bereich der Gesundheit, z.B. bei Untersuchungen zum Passivrauchen, wird fast immer die Epidemiologie genutzt, um zu Ergebnissen zu kommen. Deshalb ist das Verständnis ihrer Vorgehensweise der einzige Weg, um Fakten von Täuschungen zu unterscheiden. Das Ziel von epidemiologischen Studien ist es, das relative Risiko (RR) zu ermitteln. Ein RR von 1.0 bedeutet, daß das Risiko einer Gruppe gleich groß ist wie bei der Gesamtbevölkerung. Werte unter 1 deuten auf einen schützenden Effekt hin, Zahlen darüber bedeuten erhöhtes Risiko.

Die meisten Forscher halten ein RR von mindestens 3.0 bis 4.0 für erforderlich, um einen klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang aufzuzeigen. Diese Anforderung wird oft ignoriert: Wenn jemand von einem 20% größeren Risiko spricht (RR 1.2), so ist das nicht sehr aussagekräftig. Wichtig ist es im übrigen auch, die genauen Zahlen zu kennen: Ein hohes RR ist kein Grund zur Sorge, wenn die absoluten Zahlen sehr tief sind.

Um die Genauigkeit des RR zu bestimmen, wird eine Spannweite von gültigen Werten verwendet, der so genannte Konfidenzintervall (CI) oder Vertrauens-Koeffizient. Je enger der CI, desto genauer ist die Studie. Das CI wird normalerweise mit einer statistischen Sicherheit von 95% berechnet. Studien mit höherer Fehlertoleranz (z.B. CI 90%) sind wertlos.

Zahlreiche Störfaktoren (Confounder) können Ergebnisse beeinflussen. So muß beispielsweise eine Untersuchung über Passivrauchen folgendes berücksichtigen, wenn sie genau sein will: Alter, Geschlecht, Ausbildung, Beruf, Allergien, Nationalität, Rasse, Medikamenteneinnahme, Einhalten ärztlicher Verschreibungen, sozioökonomischer Status, Belastung durch andere Chemikalien, Alkoholkonsum, Drogenkonsum, Ernährung, familiäre Historie, häusliche Belastung durch Radon und unzähliges Anderes mehr. Dazu gehört insbesondere auch die Unvoreingenommenheit des Forscherteams auf das Resultat!

Die wichtigste Lektion im Umgang mit Statistiken: Eine Korrelation zwischen zwei Dingen beweist nicht, daß eine eindeutige Kausalbeziehung besteht. So deuteten frühe epidemiologische Studien von Brustkrebs an, daß mehrfache Schwangerschaften einen schützenden Effekt haben, in Wahrheit ist es aber das Alter der Frau bei der ersten Schwangerschaft. Die Studien wurden sorgfältig durchgeführt, vor der Veröffentlichung kritisch überprüft, sind weithin anerkannt – und dennoch waren sie falsch. Ein einziger übersehener Confounder führte dazu. Die Epidemiologie kann deshalb nichts beweisen oder widerlegen! Sie kann nur als Hinweis für die Menschen in den Labors dienen, die die wirkliche Forschung betreiben um einen Anhaltspunkt zu haben, in welcher Richtung zu suchen ist.

Achtung vor kleinen Samples: Alles, was weniger als einige Hundert Menschen beinhaltet, sollte kritisch betrachtet werden. Doch auch ein großes Sample ist keine Garantie für Genauigkeit, wenn die Studie schlecht durchgeführt wurde. So können Umfragefehler zu erheblichen Verzerrungen führen. Bei retrospektiven Studien werden Teilnehmer nach Dingen gefragt, die vor langer Zeit stattfanden. Solche Daten sind nicht sehr verläßlich. Wer beispielsweise eine Krankheit hat, die mit dem Konsum von Fleisch zusammenhängt, wird sich wahrscheinlich an einen häufigeren Fleischkonsum „erinnern“. Dieses Erinnerungsvorurteil nennt man Recall Bias.

Hinzu kommt, daß manche Menschen in einer Umfrage absichtlich lügen. Diesen Hang zur Falschangabe nennt man Misclassification Bias. Es gibt mathematische Methoden, um die Höhe dieser Fehler zu schätzen, aber der einzig saubere Weg ist es, die Daten zu verifizieren.

Frageformulierungen können das Ergebnis einer Umfrage stark verändern. Aus diesem Grund ist es wichtig, die tatsächlichen Fragen und deren Reihenfolge zu kennen.

Das Risiko sollte mit zunehmender Belastung anwachsen. Sonst ist es unwahrscheinlich, daß Ursache und Wirkung miteinander in Verbindung stehen. Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung wird in einer großen Anzahl von Studien einfach ignoriert, genauso wenig wie die biologische Plausibilität zu interessieren scheint.

Eine weitere Verfälschung geschieht durch den so genannten Publication Bias. Studien, die signifikante Risikoerhöhungen aufzeigen, werden nämlich häufiger veröffentlicht als Studien, die das nicht tun.

Um den Wert von Informationen einzuschätzen, müssen wir die Agenda der Forscher und der finanzierenden Organisationen kennen. Den Einfluß dieser Ziele nennt man Researcher Bias. Die meisten Menschen haben wohl zu recht kein Vertrauen gegenüber der Tabakindustrie, denn schließlich will diese bloß sich selbst und die eigenen Produkte schützen. Aber auch Amtsstellen und Non-Profit-Organisationen verfolgen ihre eigenen Ziele, weshalb sie zu selektiver Datenauswahl und unsachlicher Information neigen. Neben ihrer offiziellen Agenda wollen Regierungsstellen ihr Budget und ihren Einfluß erhöhen. Auch Wohlfahrtsorganisationen haben eine Agenda jenseits ihrer öffentlich verbreiteten Ziele: Sie wollen mehr Spenden sammeln und sich gegen die Konkurrenz behaupten. Die Pharmaindustrie will ihre Drogen auf den Markt bringen und will natürlich möglichst keine gravierenden Nebenwirkungen.

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Studienarten

Kohortenstudien folgen über einen bestimmten Zeitraum einer Gruppe von Menschen, die einer Substanz in verschiedener Häufigkeit ausgesetzt sind. Menschen bereits zu beobachten, bevor gesundheitliche Auswirkungen auftreten, reduziert die Gefahr systematischer Fehler und erhöht die Genauigkeit der Studie. Die Methode ist aber sehr teuer, weshalb sie selten angewendet wird.

Fall-Kontroll-Studien untersuchen zwei Gruppen von Menschen: Diejenigen, die bereits eine Krankheit haben, und eine Kontrollgruppe. Sie sind oft der einzig gangbare Weg, um seltene Krankheiten zu untersuchen.

Meta-Studien sind Analysen bereits bestehender Studien. Forscher sammeln Daten von anderen Studien, suchen sich die passenden heraus, fassen sie zusammen und kommen dann zu eigenen Ergebnissen. Genaue Ergebnisse erreicht man kaum und es ist sehr einfach, Resultate in eine gewünschte Richtung schön zu rechnen. Das simple Weglassen einiger Daten genügt. Ergebnisse von Meta-Studien sind mit höchster Vorsicht zu genießen.

Dieser Text basiert auf einem englischsprachigen Artikel von Dave Hitt.

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Wie seriös sind Studien?

Zahlreiche systematische Fehler können die Genauigkeit von Studien beeinträchtigen. Seien Sie stets kritisch und stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Um welche Art von Studie handelt es sich?
  • Bei Meta-Analysen: Welche Agenda hat die finanzierende Einrichtung?
  • Wie hoch ist das relative Risiko? Ist es höher als 2.0?
  • Wie wurden die Daten gesammelt und verifiziert?
  • Bei Umfragen: Wie lauteten die tatsächlichen Fragen?
  • Wie groß war das Sample? Wie wurden die untersuchten Personen ausgewählt?
  • Gibt es eine Dosis-Wirkungs-Beziehung?
  • Welche Confounder wurden berücksichtigt?
  • Welches Interesse könnte der Forscher oder der Auftraggeber am Ergebnis haben?

Weit schlimmer als einzelne manipulierte Studien ist der Versuch, die Meinung zu einem Thema zu monopolisieren und die Diskussion als abgeschlossen zu erklären. So reklamieren beispielsweise Gesundheits- und Umweltorganisationen oft für sich das gesicherte Wissen – und wer dieses anzweifelt, wird als „Leugner“ diffamiert. So sollen Meinungen gleichgeschaltet werden, um politische Ziele zu erreichen (z.B. ein Rauchverbot oder Alkoholverbot). Dabei wäre es gerade ein Grundsatz seriöser Wissenschaft, daß alles kritisiert werden darf, denn Wissen muß revidierbar bleiben.

Wissenschaft oder Glaubensbekenntnis

Das WHO Rahmenabkommen zur Tabakkontrolle, welches über 168 Staaten (Stand 2008) unterschrieben haben, enthält in Art. 8 Abs. 1 einen Passus, der mit Wissenschaft absolut nichts mehr zu tun hat. Genau so gut könnte man auch unterzeichnen, daß «wir unwiderruflich anerkennen, daß wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen haben, daß im Jenseits 72 Jungfrauen auf Märtyrer warten.» Daran erkennt man auch die Tendenz des Zeitgeistes, zurück ins Mittelalter zu gelangen. Man scheint des Wissens müde und verlagert sich auf Pseudowissen und Religionen. Dieser Passus verbietet vertraglich, spätere wissenschaftliche Erkenntnisse überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, was die Wissenschaft, die bisher in Sachen Passivrauch noch gar nichts bewiesen hat, davon abhalten soll, überhaupt weiterzuforschen. Es ist der erste, Sackstark bekannte weltweite Maulkorb für die Wissenschaft und ein Plädoyer für Glaubensbekenntnisse und Indokrinationen aller Art. Ein fruchtbarer  Boden für Esoterik, Unwissen, Volksverblödung, die direkt in eine bereits wahrzunehmende Richtung diktatorischer Gesellschaften führt!

«Die Vertragsparteien erkennen unwiderruflich an, daß wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig bewiesen haben, daß Passivrauchen Tod, Krankheit und Invalidität verursacht.»

«Parties recognize that scientific evidence has unequivocally established that
exposure to tobacco smoke causes death, disease and disability.»

(WHO Art. 8, Absatz 1 des Rahmenabkommens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs)

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Der Pferdefuß

DKFZ: «Jede Woche ein passivrauchtotes Baby»

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9 thoughts on “Wissenschaft verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit

  1. «Die Vertragsparteien erkennen unwiderruflich an, daß wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig bewiesen haben, daß Passivrauchen Tod, Krankheit und Invalidität verursacht.»

    Das soll eine wissnschaftliche Aussage sein?
    Seriöse Wissenschaftler wissen:
    „Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen.“
    Jakob von Üxküll (1864-1944)

    Die Religion kennt immergültige, unabänderbare „Wahrheiten“
    Der WHO-Spruch gehört eindeutig in die Welt der Religion

  2. Man kann nicht die „Wissenschaft“ abstrafen, wenn man einzelne Fehlleistungen, die, so lange es Menschen gibt, vorkommen können, als „Gesamtfehlleistung“ betrachtet. Das ist zu einfach. Es wäre etwa gleich doof, wie wenn man unter Sport nur „Boxen“ versteht.

    Die Wissenschaften haben sich entwickelt. Es stehen heute auch andere Möglichkeiten zur Verfügung. Heute kann für etwa 20’000 Dollar das Genom eines Menschen analysiert werden. daraus lassen sich fehler in den Genen und somit Ursachen für Krankheiten erkennen.

    Heute kennt man z.B. den Salztransport in einer menschlichen Zelle und man kenn auch den Kupfertransport. Das war vo einigen Jahren noch nicht der Fall. Und man kennt beispielsweise die Funktion von Rezeptoren, welche den Schmerz weiterleiten und wie die Funktion dazu führt, dass es zu „selbständig gewordenen Schmerzen“ führt. Rein wissenschaftlich ist bekannt, wie diese Rezeptoren angesteuert werden müssten, um die Verselbständigung von Schmerzen zu unterbinden. Dies würde auch bedeuten, dass die Abhängigkeit von Medikamenten unterbunden würde. Ohne solide Altersvorsorge und Arbeitslosenversicherung können wir uns weder den Konsum leisten noch die Freizeit gönnen, ohne die eine effiziente Wirtschaft nicht funktionieren kann. Ein weiterer Aspekt wäre die Möglichkeit, Sucht nach Medikamenten, Drogen, Alkohol u. dgl. erfolgreich bekämpfen zu können. Selbst Raucher, denen ihre Abhängigkeit lästig geworden ist, fänden eine weitere Möglichkeit, davon los zu kommen. Wir wissen schon, dass es Einzelnen gelingt, mit einer Willensanstrengung under durch Einsicht dieses Problem zu lösen. ich kenne es aus eigener Erfahrung.
    Man stelle sich das Sparpotenzial nur bei Antischmerzmittel vor, wenn man diese Erkenntnisse umsetzen kann. Wichtiger noch: man stelle sich die vielen Menschen vor, die wieder schmerzfrei ihr Dasein fristen können.
    Warum setzt man diese Erkenntnisse nicht einfach um? Nun, es geht schliesslich auch noch darum, die allfälligen Nebenwirkungen zu erkennen.

    Die Wissenschaftler hätten es in der Hand, für sich und ihre Arbeit zu arbeiten. Es würde bedeuten, dass sie uns mehr davon erzählen und zwar in einer Sprache, welche die Menschen auch verstehen.

    Leider ist es auch eine Tatsache, dass diese sehr stark belastet sind. Neben der Forschung und neben der Lehre sind sie gezwungen, das Geld für ihre Arbeiten selber aufzutreiben. Ausserdem haben sie oft gegen Windmühlen zu kämpfen, wenn es um die Bereitstellung von Infrastrukturen, erforderliche Apparaturen, Büro- und Laborräumlichkeiten usw. geht. zusätzlich ist ein grosser Formalismus und sind admiistrative Königreiche zu neutralisieren. So geht ein wertvoller Teil des Engagements für die Abwehr von Mobbing, Machtkämpfen und Statuserhalt usw. verloren…

    Das sieht man von aussen eben nicht und die Universitäten bieten einen grossen Nährboden für solche Ineffizienzen.

  3. @ kikri:…?Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen.?
    Jakob von Üxküll (1864-1944)

    Schön gesagt! Wäre es anders, würde es sich um eine Ideologie oder auch schön gesagt, um eine Religion handeln…!
    Wer plant, irrt genauer. Strategie ist Irrtum auf lange Sicht. Dass sich die Wissenschaft weiter entwickelt, ist ihr zugute zu halten. Sie wendet erweitertes oder „neues“ Wissen an, sie setzt neue Methoden ein und sie stellt eigene Thesen in Frage, wenn es dafür Gründe gibt.
    Nur der Papst ist unfehlbar – meinen er und seine direkten Anhänger.

    A propos Anhänger: Bischof Haas fahre wie wild mit einem Traktor im Ländle herum – er suche einen Anhänger…

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