Symphonie oder Kakophonie?

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Gefährliche Schreibtischtäter in Brüssel

Die EU schreibt vor!

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Thomas Reifenrath spielt seit 11 Jahren Posaune im Orchester. An mögliche Gefahren hatte er bei der Berufswahl nicht gedacht. Doch auf dem linken Ohr hört er bereits weniger. In Münster ist das Problem längst erkannt. Schallmessungen im Orchestergraben sind Alltag. Und tatsächlich – mit ein paar Tönen überschreitet Reifenrath die Grenzwerte und ist so laut wie ein Pressluftbohrer. Und deshalb schreibt die EU nun auch Gehörschutz extra für Orchestermusiker vor. Der Posaunist freut sich darüber. Mit Ohrstöpseln will er jedoch nicht mehr spielen.

O-Ton Thomas Reifenrath, Posaunist:

«Man bekam nur noch das eigene Spiel mit. Und das war sehr wummrig, sehr durchnebelt. Dann habe ich sie wieder raus gesteckt.»

Um diese Ohrstöpsel geht es. Solo-Pauker Armin Weigert setzt sie oft ein. Besonders hinten im Orchestergraben ist die Schallbelastung so hoch wie auf dem Flugfeld.

O-Ton: Armin Weigert, Solo-Pauker:

«Wie Sie sehen ist ja hier der Raum sehr eng. Und es sind sehr viele Leute hier, um gleichzeitig zu spielen. Und da sammelt sich gerade in den Ecken, gerade im hinteren Bereich ziemlich stark der Klang und die Lautstärke.»

Die Arbeitgeber sind nun in der Pflicht. Allerdings wollen sie den umfassenden Gehörschutz vorsichtig angehen. Sie appellieren an das Berufsverständnis der Musiker.

O-Ton: Rolf Bolwin, Deutscher Bühnenverein:

«Wer Renn-Skiläufer wird, hat das Risiko eines Unfalls, wer sich zum Gastronomen oder als Service-Fachkraft ausbildet, setzt sich dem ‚Passivrauch‘ aus und wer Orchestermusiker wird, hat das Risiko einer gewissen Lärmbelastung. Und so hat jeder Beruf seine besonderen Risiken.»

Trotzdem das Problem bleibt. In Münster wird viel experimentiert. Auch mit Plexiglas-Schallschutzwänden wie hier hinter der Cellistin.Der Dirigent bleibt sehr skeptisch. Natürlich versucht er in den Proben mit leisem Spiel, die Ohren der Musiker zu schonen. Aber von Plexiglas hält er gar nichts.

O-Ton: Rainer Mühlbach, Generalmusikdirektor Münster:

«Vielleicht ist der, der davor sitzt geschützt. Aber, ob er, wenn er draußen sitzen würde und das Gesamtergebnis hören würde, das auch noch toll finden würde, das wage ich zu bezweifeln.»

Beispiel: Orchester und Tänzer proben für den Satie-Abend, der bald Premiere hat. Da kommt sogar eine Sirene zum Einsatz. Die klingt im Orchestergraben wirklich ohrenbetäubend. Doch im Saal ist der Eindruck völlig anders – je nach Sitzplatz im Parkett fast zu leise.Hier ist das Problem also kaum zu lösen. Das weiß auch Personalrat Willibert Steffens. Der Hornist konzentriert sich deshalb auf die Probenräume. Dort verbringen Musiker viel Zeit und dort könnten Schallschutzwände ihren Ohren helfen. Münster investiert in ein Pilotprojekt. Denn langfristig werden die Musiker auf ihre neuen Rechte pochen.

O-Ton: Willibert Steffens, Orchestergewerkschaft:

«Wir wollen drei Dinge erreichen: Erstens, daß wir unseren Beruf weiter ausüben können. Zweitens, daß der Zuhörer zufrieden ist. Und daß auf der anderen Seite, alles Mögliche getan wird, daß auch wir dem Schall, sozusagen ohne daß wir gesundheitliche Schäden davontragen, ausgesetzt sind.»

Doch bis Februar wird das kaum zu schaffen sein. Die Landesregierung will den Orchestern mehr Zeit geben und nicht sofort hart durchgreifen.Schließlich gibt es auch schlichte Mittel. Bei den Pistolenschüssen in diesem Satie-Stück halten sich die Musiker einfach die Ohren zu.

O-Ton:
Musik, Schüsse, Musik

[Aus einem Beitrag des WDR]

4 thoughts on “Symphonie oder Kakophonie?

  1. Pingback: Sackstark » Blog Archive » Der Weg zur Weltherrschaft

  2. und dann werden sie so spielen, dass niemand mehr in ein Konzert kommt.
    Wenn ein Musiker seine Mitmusiker und auch sich selbst nicht mehr richtig hört, kann nur eine Kakophonie rauskommen.
    Ist das bei der EU systembedingt?
    Man will Arbeitnehmer schützen und tut das auf die Art, dass genau diese Arbeitnehmer ihren Job nicht mehr richtig machenkönnen und dadurch ihren Job verlieren (siehe auch Servierpersonal/Passivrauch)
    Dieser Trick funktioniert 100%ig.
    Wenn die Arbeitnehmer ihren Job los sind und zu Hause sitzen sind sie tatsächlich geschützt

  3. Pingback: Sackstark » Blog Archive » Weitere Verbote in der Pipeline

  4. Der Artikel ist sehr gut. Der Kommentar von Kikri ist hingegen Blödsinn. Wer regelmässig in Sinfonie- und Opernorchestern spielt, weiß, dass der Lärm ein echtes Problem für die Musiker ist. Man sollte das nicht mit solchen banalen Äusserungen herunterspielen.
    Plexiglaswände bringen sehr wenig. Gehörschutzpfropfen sind wirksam, aber man hört damit nicht sehr gut.
    Es ist ein kompliziertes Problem.
    Für mich ist Blech und Schlagwerk einfach zu laut. Die machen einen Riesenlärm. Man sollte da Instrumente bevorzugen, die nicht so laut sind wie die, die wir heute benutzen.

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