Das Leben der Pseudowissenschafter IV

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Leibhaftige Dummheit

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Gerade das macht sie attraktiv für jene, deren Treiben dem der Junk Sciencer ähnlich ist. Warum sollte, wer schrottige Produkte, schlechte Leistungen oder Minderwertiges zu vermarkten hat, sich mit anderen als Junk Sciencern und deren Mietmäulern umgeben? Je ausgeprägter die, so Carl-Julius Weber, „leibhaftige Dummheit“ sich personifiziert, um so besser! Solche Leute werden gebraucht, keine, die zu ernsthafter Arbeit fähig wären. Was, nebenbei, dazu führt, dass solchen von den Junk Sciencern mit Vorliebe unterstellt wird, bemitleidenswerte Ausgeburten „protestantischer Arbeitsethik“ zu sein.

Wie der Junk Sciencer ist auch der Junk-Science-Journalist unfähig, auf Kritik angemessen zu reagieren. Wer kritisiert, wird zum persönlichen Feind. Den gilt es zu besiegen, mit allen Mitteln. Wenn es notwendig erscheint, wird auch verleumdet, gefälscht und gelogen. Dies verlängert die Kette der Mietmäuler hin zu manchen Rechtskundigen, deren Aufgabe ist, Diffamierungen so zu formulieren, dass diese mit den Instrumenten des Presserechts nicht angreifbar sind. Absegnung durch Juristen tritt an die Stelle der Recherche, die nie gewollt war.

Wie sind die Perspektiven für Junk Sciencer und ihre Helfer? Bestens! Man mag spekulieren, ob das unverkennbare Anwachsen von Junk Science Ausdruck oder Bedingung der Infantilisierung unserer Gesellschaft ist, jedenfalls finden Junk Science, deren Exponenten und Verbündete hierzulande in manchen Medien bereitwillige Aufnahme.

Bezeichnend scheint mir, dass Politiker, die tatsächlich Kritisches anzumerken haben, bei der Neuen Zürcher Zeitung Gehör finden, nicht aber bei deutschen Organen, erst recht nicht in ihrer Fraktion. Auch das ist symptomatisch: Ausgefeilte, praktikable Regelwerke wie die der Max-Planck-Gesellschaft oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Sicherung der Qualität wissenschaftlicher Arbeit stoßen bei Junk Sciencern auf Hohn und Spott. Das sollte Anlass sein, solche Regeln auch zu Kriterien der Bewertung von Leistungen mancher Institutionen zu machen, die durchaus nicht selten im Stile und Sinne von Junk Science arbeiten.

Ende.


Hans-Joachim Maes ist Fachjournalist zu Wissenschaftskriminalität und Inhaber der W+D Wissenschaft & Dokumentation GmbH in Berlin. Kontakt: Tel. 030 / 8522486, wissdok@compuserve.com. In Novo58/59 ist von ihm zuletzt erschienen „FDA beendet faule Tricks“ über Verbraucherschutz in der US-Pharmabranche.

2 thoughts on “Das Leben der Pseudowissenschafter IV

  1. Dass man auch in Deutschland die Qualität der NZZ bemerkt hat: super.
    Die NZZ ist weitherum die einzige lesenswerte Zeitung.
    Das schreibe ich als Linker

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