USSR – United States‘ Socialist Republic

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700 Mrd. Dollar zur Rettung der Finanzwelt?

Nach 25 Jahre Leben auf Pump!

«Hustet Wallstreet, erkältet sich Europa»

(geläufiger Börsenspruch, der seine Gültigkeit verlieren wird)

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Das schrieb Ludwig Erhard 1957:

„… So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.
Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzungen dafür schaffen, daß dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen ‚arm‘ und ‚reich‘ überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln.“
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Die Kreditkrise ging von den USA und seinem maroden Immobilienmarkt aus. Tatsächlich ist aber die Verschuldung jedes einzelnen US-Bürgers, der jedes Jahr durchschnittlich zehn Prozent mehr ausgibt, als er einnimmt, sowie die exorbitanten Verschuldungen der Banken, Private Equity Fonds, Hedge-Fonds, Gesellschaften, die keine Auswirkungen auf die Bilanzen haben, sogenannte Conduits, also Unternehmen, die ohne Lizenz Hypothekarkredite vergeben, von Firmen also, von denen bereits mehr als 300 im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wie Kartenhäuser zusammengebrochen sind.

Und es geht weiter im Takt

Gemäss einer Expertise von ehemaligen Währungsfonds-Spezialisten, die sämtliche vergangen Finanzkrisen unter die Lupe nahmen, bräuchte man 16 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) eines jeden Staates um eine Finanzkrise aufzufangen. Im Falle der USA wären das 2 400 Milliarden. Die USA hat gestern eine Junk-Anleihe zum Auffangen fauler Kredite und maroder Banken in der Höhe von 700 Mrd. Dollar bewilligt und will, dass sich Europa und Japan daran beteiligen, um die Krise zu bewältigen.

Erstens ist das viel zu wenig, um die Schulden von 40 000 Mrd. Dollar der US-Bürger aufzufangen und zweitens wird das gesamte US-Immoblien-Faule-Kredit-Problem nur auf die lange Bank geschoben und die Rezession, da bereits heute keine verfügbaren Kredite mehr vorhanden sind, verlängern. Dies bei einer, für die USA, horrenden Inflation (ohne Mieten, notabene) von bereits 10 Prozent! Und das bei einem mickrigen Diskontsatz von 2.25 Prozent! Die offiziellen, jeweils seit Jahren getürkten, Zahlen darf man getrost vergessen. Der Unterschied von heute zur Weltwirtschaftskrise und dem bisher grösstem Börsencrash in der Geschichte von 1929, wo sich an der Wallstreet verzweifelt einer nach dem andern aus dem Fenster stürzte, ist der, dass damals eine Deflation herrschte, genauso wie 1990 beim Crash in Japan. Der Nikkei-Index lag bei 42 000 und ist seitdem nie wieder über 12 000 gestiegen. Und ja, damals hatte man noch den Schneid und Anstand, zu seinen Fehlern zu stehen und die Konsequenzen zu tragen. Heute kann jede Bank Kredite vergeben, die mit nur etwa drei Prozent an Eigenmiteln gedeckt sind. Heute können Firmen, wenn sie gross genug sind, machen was sie wollen, von Bilanzfälschung bis zum Verkauf tödlicher Medikamente, denn eines ihnen ist ihnen gewiss, der Staat und damit der Steuerzahler stehen für ihre Boni, Managerlöhne und Misswirtschaft gerade, sie können also ungestraft und risikolos weiterwursteln wie bisher. Papa Staat wird’s schon richten, und mit ihm all die kleinen Steuerzahler auf der Welt, zurzeit aber hauptsächlich aber in den USA.

update 04.10.2008: In den vergangenen 15 Jahren ist die amerikanische Geldmenge ungefähr doppelt so schnell gewachsen wie das Bruttoinlandsprodukt. Die Verpflichtungen der Bundesregierung sind in der gleichen Zeit dreimal so schnell gestiegen. Die Folge daraus ist, dass die Vereinigten Staaten heute mehr Finanzverpflichtungen haben als Anlagewerte. Im Grunde genommen sind sie damit pleite. Trotzdem wird die Sollseite des Bilanzbogens immer schwerer und schwerer. In diesem Jahr wird das amerikanische Regierungsdefizit um ungefähr eine Billion Dollar wachsen. Das amerikanische Handelsbilanzdefizit liegt bei ungefähr 700 Milliarden Dollar. Der amerikanische Rettungsplan wird vermutlich mindestens eine Billion Dollar mehr kosten. (Bill Bonner auf goldseiten.de am 03.10.2008)

Erinnern wir uns noch? Vor etwa zehn Jahren musste eine weltweite Finanzkrise mit einer Finanzspritze von etwa drei Milliarden abgewendet werden. Die Geld- und Spielsucht eines äusserst erfolgreichen Traders, der mit dem Segen der, von zwei US Wirschafts-Nobelpreisträgern, den Herren Myron Scholes und Robert C. Merton, geführten Long Term Capital Management LTCM, am Devisenmarkt gegen den Yen wettete. Geopfert und angeklagt wurde der Trader, Frank Partnoy, der nur seinen Job machte. 2000 ging die Bank bankrott. Heute lehren die beiden Nobelpreisträger an der Harvard Business School. Kein Wunder, werden Haie herangezüchtet an Amerikas renommiertester Universität für Finanzen. Aber ich schweife ab – Angesichts der heute notwendigen tausenden von Milliarden Dollar erscheinen die lächerlichen drei Milliarden geradezu wie ein Griff in die Portokasse.

Hände weg!

Aber es kommt noch besser. Die USA will nun, dass sich Europa, insbesondere auch Deutschland, sowie Japan an besagter Ramsch-Anleihe von 700 Mrd. beteiligen. Jedes Land, das da mitmacht, verschleudert die Steuergelder seiner Bürger, denn der ist es, den als letzten die Hunde beissen werden. Die USA wollen also ihren Müll in Europa und Japan abladen, als wäre es nicht schon genug an Frechheit gewesen, der ganzen Welt durch die titanic-artige Verschuldungsorgie in den letzten 25 Jahren – erst über Treasury Bonds (Staatsanleihen) und später mittels Derivaten (heute vornehm als «strukturierte Wertpapiere» bezeichnet) – das Geld zur Finanzierung ihres Lotterlebens auf Pump, abzusaugen.


Immerhin haben deutsche, hauptsächlich öffentlich-rechtliche Banken bereits Milliarden-Summen an Investitionen in sogenannte US Subprime Loans (bonitätsmässig schlechte Hypothekarkredite), wo heute kaum noch einer weiss, wer überhaupt der tatsächliche Schuldner ist, verloren und außerdem verlieren deutsche Banken, wiederum hauptsächlich öffentliche Geldverleiher, häufig von fachlichen Hohlköpfen und ausrangierten Politikern geleitet, gleich noch einmal Milliardenbeträge bei der Pleite der viertgrößten US-Investment-Bank, die von dem Deutschen Heinrich (Henry) Lehmann gegründet wurde, den Lehman Brothers. Der deutsche Steuerzahler wird also am Schluß mit hohen zweistelligen Milliarden-Euro-Beträgen die Konsumexzesse der Amerikaner bezahlen.

Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute wie die…

und…

und…

bluten heute mit der privaten…

genauso für ihre Gier. Bezahlen tut’s der Steuerzahler, auch bei der IKB, denn der grösste Aktionär ist dort die staatliche KfW-Bankengruppe!

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Nehmen wir mal Deutschland als Vergleich. Die höchsten Staatsdefizite, die Deutschland bisher je hatte, lagen so um die 40 Mrd. Euro. Diese Größe der bisherigen deutschen Maxi-Neuverschuldung macht deutlich, welche Summen in den USA tatsächlich im Spiel sind: Zuletzt haben die Amerikaner (mindestens) 200 Mrd. Dollar für die Stützung der beiden, inzwischen verstaatlichten, Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac, und bei länger anhaltender Krise, wovon ich ausgehe, sicherlich 500 Mrd. Dollar, zugesagt bekommen. Mehr als jedes zweite Eigenheim gehört jetzt der US-Regierung, etwas weniger als früher in der UdSSR! Hinzu kommen, wie in einem Selbstbedienungsladen, weitere 85 Mrd. Dollar für die früher größte Versicherung der Welt, der American Investment Group AIG (in Wirklichkeit ist dies hier keine Staatsübernahme, sondern ein über den US-Staat ausgeführter Konkurs), 29 Mrd. Dollar Garantie bei dem Zusammenbruch von Bear Stearns, eine noch nicht bestätigte dreistellige Milliarden-Dollar-Summe zur Unterstützung der praktisch kaum noch vorhandenen staatlichen Einlagensicherung und 25 Mrd. Dollar Kredite zu Zinskonditionen, die den Wettbewerb völlig verzerren, zur Stützung von General Motors und Ford. Zur Absicherung der Kredite will die Regierung 7,5 Milliarden an Steuergeldern einsetzen. US-Präsident George W. Bush hat bereits angekündigt, das Gesetzt so schnell wie möglich zu unterschreiben.

Rückschau: 1979 griff Ronald Reagan dem bankrotten Konzern Chryslers mit läppischen 1,2 Mrd. Dollar unter die Arme und die Deutschen Mercedesbauer Daimler kauften diesen Schrott auch noch völlig überteuert auf, und schreiben noch heute Verluste ab, obwohl sie im August 2007 Chrysler and Cerberus verkauften, aber noch immer 20 Prozent an deren Aktien halten. An diesen Summen lässt sich erkennen, wie der Dollar sich in Wirklichkeit bereits abgewertet hat und im Devisenhandel noch immer viel zu hoch gekauft wird. Es zeigt aber auch auf eindrückliche Art, wie sehr die Verschuldungen bereits völlig aus dem Ruder gelaufen sind und wie hilflos sich die Regierungen präsentieren wenn man nachfolgenden Satz aus der FAZ liest:

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„Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am Freitag Leerverkäufe der Aktien von elf Unternehmen der Finanzbranche vorübergehend untersagt.“
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Einige Zahlen:

weltweite Marktkapitalisierung in Aktien

– 22 000 Milliarden

update 10.10.2008
– 29 000 Milliarden

2007-10 62 000 Mrd.
2008-09 42 000 Mrd.
update 10.10.2008
2008-10 35 000 Mrd.

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US-Immobilienpreise

– 4 000 Milliarden

2007-10 22 000 Mrd.
2008-09 18 000 Mrd.

Es ist, wie in Japan während 17 Jahren, mit einem langfristigen, mindestens zehn Jahre dauernden Wertverlust der US-Immobilien zu rechnen.

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Volumen der Kreditversicherungen (Derivate), die jetzt zur Zahlung ausstehen, aber mangels Deckung nicht bezahlt werden können.

– 62 000 Milliarden

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Weltweites Volumen der Finanzderivate

550 000 Milliarden

Das ist zehnmal mehr als die gesamte Weltwirtschaftsleistung!

William Davies schrieb, dass wenn alle Stricke reißen, niemand mehr Gold möchte. Und als ein gebürtiger Deutscher, der die Nachwehen des Zweiten Weltkriegs erlebte, weiß er das aus persönlicher Erfahrung. Damals hat nicht Gold, sondern Whiskey und Zigaretten haben die gültige Währung dargestellt. Fangen Sie doch schon einmal an, die Keller in Ihrem Chateau zu füllen. (Quelle)

Und da sollen 700 Mrd. US-staatliche Junk-Bonds etwas mehr bewirken, als nur die gesamte Misere über Jahre hinaus zu verschleppen, statt es kurz und weniger schmerzhaft zu machen? Ich kriegte bereits einen Lachanfall, als Notenbankchef Bernanke im Juli letzten Jahres 100 Mrd. Dollar und im November nochmals 40 Mrd. Dollar den Banken zur Verfügung stellte und somit bewies, dass er die Sachlage völlig unterschätzte. Er sagte im März 2007: Wir glauben, dass die Folgen der Schwierigkeiten im Subprime-Sektor[…] weitestgehend eingedämmt sind.“ Und „Es sei kein ernstes Problem[…] ich gehe davon aus, dass wir es eigentlich im Griff haben“, fügte Paulson im April 2007 hinzu.

Wird bei Fälligkeit dieser 700 Milliarden Junk-Anleihe Amerika in der heutigen Form überhaupt noch existieren oder werden die Anleihen solange prolongiert, bis sich niemand mehr an sie erinnert oder der Dritte Weltkrieg ausbricht? Auf alle Fälle haben die Amerikaner ein grosses Interesse, den Dollar soweit abzuwerten, dass die Schulden währungsbedingt dahinschmelzen und die Inflation die Rückzahlung für sie erledigt. Eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: Die Nationen, die dumm genug sind diese Anleihe zu kaufen, sehen das Geld nie wieder!

Ich staune mit grossen Augen ob derlei Naivität.

Kriegen wir diesmal noch die Kurve?

Carolus Magnus

Einige dieser Banken sind von einem Tag auf den andern vom Kurszettel verschwunden.

Carolus Magnus

8 thoughts on “USSR – United States‘ Socialist Republic

  1. Bis jetzt hies es immer, die Staatskassen sind leer, wir können nicht mehr, vor allem nicht für Bildung und Soziales, ausgeben.
    Ich bin gespannt auf die Erklärung, in werlchem Kellen noch einige Milliarden gefunden wurden.

  2. Das Leben auf Pump ist älter als 25 Jahre, aber die letzten 25 Jahre mögen die Entwicklung exponentiell bis zum Kollaps gefördert zu haben.

    Machen wir uns nichts vor. Das Leben auf Pump treibt auch in der Schweiz sein Unwesen. Mit Kleinkrediten und Autoleasing binden sich viele Bürger an die Kreditgeber und bezahlen eine Unmenge an Zinsen. Wer sich mit regelmässigen Vorschüssen an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und deren Sanierung befasst hat, kann erahnen, was da abläuft. Ich habe meine Erfahrungen damit gemacht und Leute kennen gelernt, die sich Dinge kauften, die sie sich eigentlich nie leisten konnten. Die Konsequenzen waren meist hart. Daran denken die Kreditgeber nie. Müssen sie auch nicht. Das einzige, was sie ineteressiert, ist der Zins und möglichst hohe Sicherheit bezüglich Rückzahlung.

    Persönlich habe ich eine andere Einstellung. Ich leiste mir, was notwendig ode gewünscht ist, wenn ich es vermag.

    Das man das Leben jetzt und heute geniessen möchte, ist offenbar menschlich. So kann man jetzt am Beispiel Rumäniens beobachten, dass Pump eben eingezogen ist und dass die Entwicklung bereits bedenkliche Formen angenommen hat.

    Die im Artikel aufgeführten Schulden werden nie zurückbezahlt. Ein Teil wird über die Infaltion geregelt, der Rest über Insolvenzen und Bankrotte – was wiederum einer Sozialisierung gleich kommt.

    Volkswirtschaften ausserhalb der USA sollten ihr Finanzwesen in Ordnung bringen, bevor sie Geld als Geschenk ans US-Kapital weggeben. Man gibt dem Gangster, der einen bedroht schliesslich auch keine Munition, wenn sein Magazin leer ist.

  3. Nachdem man zuvor mit Zinsen von an die 18 % am Kapitalmarkt zur Inflationsbekämpfung sich eindecken konnte und der Goldpreis im Januar 1980 seinen Höhepunkt erreichte zum Preise von wie heute, wurden im August 1982 die Geldschleusen derart geöffnet, dass der Dow Jones Industrial Index sich in kurzer Zeit vervierzehnfachte.

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