Gier – Vom Trieb zum Dieb

Aus Schulden werden Wertpapiere

CDO hoch drei

… einige der folgenden von Herbie aufgezählten Produkten werden sehr oft auch mit unseriösen Vertriebsformen in der Art des Strukki-Club vertrieben – wobei der Name aber eher zufällig ist (Anm. Finanzblogger).

Als die Geldinstitute noch Geld ausleihten, boten diese Obligationen, Anleihen, Kassenobligationen, Kredite, Hypotheken, Kontokorrentkredite, Spar- und Lohnkonti an und Kinder sammelten die Batzen in einem Kässeli, welches nur die Bank öffnen konnte. „Spezielle“ Banken boten auch Kleinkredite an, was „seriöse“ Banken kaum taten und wenn, wickelten sie dies über eine Tochterfirma ab, um den Namen, auch Goodwill genannt,  nicht zu beschmutzen. Spargelder wurden anständig verzinst, Anleihen, Kassenobligationen usw. waren gute Geldanlagen.

Die Veränderung: Was oben erwähnt wurde gibt es zwar immer noch, doch wegen den Zinsen müsste man nicht mehr sparen. Die Erträge werden nun für die Bezahlung der horrenden Löhne, Boni und der Befriedigung der Aktionäre gebraucht. Ein Teil davon geht via Spekulation „verloren“, oder kriminelle Elemente sorgen dafür, daß die „Umverteilung“ etwas beschleunigt wird. Als Sparer darf man heute froh sein, nicht noch für das Parkieren von Geldern bei den Banken bezahlen zu müssen!

Auch eine Veränderung:

Einst kam die Gefahr von außerhalb des Bankschalters …

Die neuen Produkte haben wenig bis nichtssagende Phantasienamen, meist in Englisch, damit der Laie es auch garantiert nicht versteht. Einer hat hat mal gesagt,  daß wenn ein Betrieb beginnt, seine Bezeichnungen in englischer Sprache auszudrücken, es der Beginn eines sich abzeichnenden Endes ist … Nun, Der Mann von Welt wird kaum zugeben, daß er zu wenig Fremdsprachenkenntnisse besitzt, um alles, was man ihm vorsetzt verstehen zu können. Daher kommt es auf die Beratung an und diese hat nur das Wohlergehen des eigenen Betriebes vor Augen!

Die neuen Produkte heißen etwa:

Hebelprodukte: Warrants, Spreadwarrant, Knock-out Warrants, Mimi-Futures

Partizipationsprodukte: Tracker Certificates, Outperformance-Bonus-Certificates, Airbag-Zertifikat, Twin-Win Certificates

Renditeoptimierungsprodukte: Discount Certificates, Barrier-Discount-Certificates, Reverse Convertibles, Barrier Reverse Convertibles, Barrier Range Reverse Convertibles, Chapped-Outperformance Certificates, Express Certificates, Chapped-Bonus-Certificates, …

Kapitalschutz-Produkte: Kapitalschutz ohne Cap, Exchangeable-Certifikates, Kapitalschutz mit Cap, Kapitalschutz mit Coupon, Kapitalschutz mit Knock-Out

Mehr bei: SVSP Schweiz Verband für Strukturierte Produkte

Knock-Out“-Produkte„: da muß man sich als Kunde wohl vorher mit Kopf- und Mundschutz sowie mit Boxhandschuhen ausrüsten!

Airbag-Produkte„: Achtung: Unfallschutz einplanen!

Wer risikoreich Geld anlegt, kann gut verdienen, aber auch viel verlieren. Das ist von Anfang an klar. Wer Anlageprodukte nicht versteht, sollte die Hände davon lassen. Wenn aber Sicherheit versprochen wird, die es nicht gibt, dann ist das destruktiv, wenn nicht gar kriminell, denn der Anbieter kennt kennt sein Produkt sehr genau.

Lohnt es sich, seine Bank zu verklagen? Ismail Ertekin hat es getan – und wurde prompt selber vor Gericht gezerrt.

„(…) Für das Foto zu diesem Artikel wäre Ismail Ertekin gerne zum «Tatort» zurückgekehrt, in die Zürcher Filiale der US-Investmentbank Merrill Lynch. Doch der 49-Jährige hat Hausverbot. Mehr noch: Der ehemalige Unternehmer mit Pizza-Kette, Bar und Restaurant ist wegen versuchter Nötigung verurteilt. Was hat er getan?
Drei Millionen Franken aus Familienvermögen vertraute Ertekin zwischen Ende 2000 und Mai 2003 den Investmentbankern an. Diese machten aus drei Millionen eine. Zum Vergleich: In jenem Zeitraum verlor der Aktienindex Dow Jones Industrial mit 17 Prozent deutlich weniger. «Die Bank tätigte Geschäfte ohne meine Ermächtigung», sagt Ertekin. Unter anderem investierte sie in marode Firmen, bei denen sie als deren Bank selber ein finanzielles Interesse hatte. Deswegen haben Geschädigte in den USA eine Sammelklage eingereicht. Es geht aber um mehr: Ertekin sagt, er sei von der Bank über Verluste nicht rechtzeitig informiert worden. Ebensowenig sein Bruder, der sein Stellvertreter war, als Ertekin für mehrere Monate zum Meditieren nach Indien reiste. Und eine mündlich besprochene Stop-Loss-Vereinbarung, die die Verluste begrenzen sollte, sei nicht eingehalten worden. Als Ertekin über die massiven Verluste ins Bild gesetzt worden war, riet ihm sein Bankberater, eine halbe Million Franken Kredit aufzunehmen, um die Einbußen schnell wieder zu kompensieren. Ertekin weigerte sich anfangs, ließ sich aber dann überreden. Später stellte sich heraus, daß mit der halben Million bereits vor der Vertragsunterzeichnung spekuliert worden war. Merrill Lynch bestreitet die Vorwürfe. Der Kunde habe alle Transaktionen autorisiert und jeweils Bestätigungen per Post erhalten. …)“
2005 reichte Ertekin Klage gegen Merrill Lynch ein. Quelle: …Die Millionen sind weg… (Beobachter 24/08). Der Fall endet am Bundesgericht!

Und so sieht der Plan für dieses Kapitalverbrechen aus. Es sei von Bankern begangen und von Politikern geduldet worden.

Bilder: Der Spiegel Nr 47, 17. 11. 08
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Wem gehören am Ende des Prozesses die Häuser?
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Ich wiederhole mich bewußt:

„(…) Der Unterschied (zu früheren Finanzkrisen), sagt Roubini, liege darin, daß das amerikanische Finanzsystem zu einem intransparenten, unverständlichen Organismus mutiert ist.

„Du nimmst eine Hypothek und wandelst sie in ein Wertpapier. Dann machst du daraus eine CDO, und daraus die CDO einer CDO einer CDO einer CDO“, sagt Roubini. „Das macht dann eine CDO hoch drei„, sagt er. Am Ende dieser Verbriefungskette stehe ein Instrument, „komplex, exotisch, illiquide, mit dem ein Voodoo-Finanzsystem erschaffen wird“; Quelle: Der Spiegel 47/2008 Übertitel: Das Kapitalverbrechen, Anatomie einer Weltkrise, die gerade erst begonnen hat: „Der Bankraub“. Siehe auch mmnews, SPIEGEL: …Das Kapitalverbrechen…

CDO: Collateralized Debt Obligation = Anlagevehikel
Auch eine Veränderung: Aus den Zeiten von Al Capone standen die Gangster noch vor dem Bankschalter und verlangten mit der Pistole in der Hand, das Gesicht unter dem Rand des Südwesters verdeckt, nach dem Schlüssel des Tresors. Heute scheint sich das Bild gekehrt zu haben. Die Bösewichte sind bereits hinter dem Bankschalter. Sie nehmen den „Kunden“ das Geld ab.
… heute lauert die Gefahr hinter dem Bankschalter
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Wir wollen nicht die pflichtbewussten Angestellten der Geldinstitute, welche hervorragende Arbeit leisten, an den Pranger stellen. Sie werden nun aber einen grossen Teil der Kosequenzen via Entlassung zu tragen haben. Hauptsächlich im Investmentbanking würde man die grossen Zocker finden. Ausgangsland: USA. Würde man noch weiter analysieren und graben, von wem die großen Bankhäuser wie Merryl Lynch, Lehmann Brothers, J. P. Morgan usw. gegründet wurden und wer sie beherrschte, gäbe es noch einiges zu staunen!
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Das Karussell dreht in Form eines Spiralnebels weiter. Zur Erinnerung:
  • Werner K. Rey, als Genie gefeiert, als Betrüger verhaftet und abgeurteilt
  • Dieter Behring knackte nach eigenen Angaben den „genetischen Code der Börse“ Über 200 Mio Franken teure Luft
  • Michael Milken kassierte 10 Jahre gesiebte Luft wegen Betrug und Insiderhandel
  • Roberto Calvi ritt die Banco Ambrosiano in den Konkurs. Angerichteter Schaden: +/- eine Mia Dollar. Das war 1982
  • Bernard L. Madoff soll ein ganz dicker Fisch für die Justiz werden. Er soll 50 Mia Dollar via Schneeballsystem „umverteilt“ haben… (swissinfo)

Wer ist der nächste, noch größere Brocken

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Bild via Lupe
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One thought on “Gier – Vom Trieb zum Dieb

  1. Der Partner schafft und die Bank?
    Die Tatsache dass schon wieder an den Bonus gedacht und dafür schon das Geld, welches in den USA vom Steuerzahler kommt, auf der Seite liegt ist nicht kommunizierbar.
    Genauso wenig wie die hosentrompeterische Ansage von Herrn J. Ackermann, Erster Mann der Firma Deutsche Bank von 25 Prozent Gewinn zu schwadronieren. .
    Hier wird klar mit welcher Arroganz und Blasiertheit die „Herren Banker(iers)“
    vor dem Mittlelstand in den letzten Jahren auftraten. Jetzt sind es auch wieder diese Betriebe, die eigentlich zupackendes Vertrauen ihrer Partner benötigten.
    Doch scheint es so, als ob Partnerschaft für etliche Bankinstitute so verstanden wird, dass der Partner schafft und sie den Profit einstreichen.

    Das ist mit Vernunft nicht zu begreifen nur mit blasierter Unverfrorenheit.
    Die Herren Bankiers sind alle gut in Hochmut investiert, deshalb verliert auch keiner was von den Herrschaften, wenn dieselben auf Scham verzichten müssen.

    …zur Veranschaulichung der Lage, die wahrlich schwer zu kommunizieren ist! ! !

    2008
    Jahr der Erwartung und Entwertung

    Von Frank Schirrmacher, faz.net
    Auszug:
    „Die permanente, fast wöchentliche Überhöhung immer phantastischer werdender Zahlen, das vollständige Verschwinden riesiger Summen, die ursprünglich offenbar niemals vorhanden waren, im Nichts, der Bankrott ganzer Länder führen zu einer Entwertungserfahrung, die nicht kommunizierbar ist.

    Die gigantischen Zahlen nämlich legen die Sprache lahm und damit den Alltagsverstand, ja Rationalität überhaupt. Bestimmte toxische Finanzprodukte, darauf hat Warren Buffett unlängst hingewiesen, verlangen eine schriftliche Dokumentation von fast einhunderttausend Seiten. Kein Wunder, dass die Experten vom früheren Chef der amerikanischen Notenbank bis zum Sparkassendirektor davon reden, dass sie sich, in den Worten Alan Greenspans, was jetzt geschieht, „nicht haben vorstellen können“
    Ende des Zitats.

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