Stigmatisierung der Raucher (Teil 1)

«So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.» (Adolf Hitler)

Man füge „Saddam Hussein“ ein anstelle „Juden“ und in Klammer (George W. Bush)

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Die Stigmatisierung von Raucherinnen und Rauchern zu den Aussätzigen des 21. Jahrhunderts

«Ich bin eine Ungläubige, ich glaube nicht, auch nicht an die Naturwissenschaften.»

Im Märchen gibt es die Guten und die Bösen. Aber selbst im Märchen gibt es Figuren die zwischen diesen Polen stehen. Und was Gut oder was Böse ist, wird gerade im Märchen selbst diskutiert. Letztendlich kann kein Mensch mit Bestimmtheit sagen, was Gut und Böse ist. In einer freien Gesellschaft muß dies zwangsläufig umstritten bleiben. Und viele Dinge sind beides gleichzeitig, sowohl gut als auch böse. Häufig kommt es nur auf die Perspektive an. Umso komplizierter unsere Gesellschaft wird um so mehr gilt dies. Die Menschen sind weder gut noch böse, sie sind einfach Menschen. Das heißt, Menschen zeichnen sich durch ihre Uneindeutigkeit aus. Nur Totalitäre Staaten, Fundamentalisten und Fundamentalistinnen kennen ein eindeutiges Gut und Böse.

Gerade diese Uneindeutigkeit ist eine wesentliche Substanz des Lebens. Rausch, Lust, ist häufig mit einem darauf folgendem Kater verbunden. Das gilt nicht nur für Alkohol, sondern auch für das Rauchen, für Sexualität, für zu gutes und zu vieles Essen; und für andere Lüste, deren Sinn ja gerade darin besteht, einmal nicht vernünftig zu sein, einmal nicht funktionieren zu müssen.

In diesem Zusammenhang macht es keinen Sinn von gut oder böse zu reden. Nur davon, daß die Lust, der Selbstverlust im Rausch ein Eigensinn und -recht hat und keiner äußeren Legitimation bedarf. Ihr Sinn liegt gerade in ihrer Zweckfreiheit, darin daß sie es als sinnliche Erfahrung ermöglichen eben diesen Sinn und Zweck, Richtig und Falsch, zu hinterfragen.

Diese Uneindeutigkeit empfinden eine Reihe von Menschen als unerträglich. In den 60er Jahren sprach man vom Autoritären Charakter als Persönlichkeitszug dieser Gruppe. Diese Menschen wollen eindeutige Zuweisungen, klare Grenzen, ein eindeutiges Richtig und Falsch, auch wenn sie dies erzwingen müssen.

„Willst Du nicht mein Bruder sein, schlag ich Dir den Schädel ein.“

Der Präsident der USA, George W. Bush, hat diese Charakterformierung sehr bildhaft vorgeführt, als er nach dem Attentat vom 11. September 2001 formulierte, alle Länder müßten sich nun entscheiden, ob sie für die USA oder für den Terrorismus wären, als gäbe es hier ein eindeutiges Gut und Böse.

In einer Gesellschaft starker Umbrüche fühlen sich solche Menschen zunehmend bedroht. Einige richten ihren Haß gegen in ‚ihrem‘ Land lebende Menschen sowie anderer Staaten und Kulturen. Andere, und zum Teil die Gleichen, projizieren ihre Ängste auf die Kriminalität und fordern immer schärfere Gesetze und Überwachungsmaßnahmen. Und für einige dieser Menschen sind die Menschen selbst, der Leib, die Körpersäfte, die Sexualität, der Kontrollverlust im Rausch und alle andern alltäglichen kleinen Süchte Fixpunkte ihrer Ängste. Für sie wird die Suchtfreiheit, die kontrollierte, ordnungsgemäß durchgeführte Sexualität, die körperliche Sauberkeit, der Wasch- und Putzzwang, zum zwanghaften Ziel all ihrer Bemühungen.

All dies sind Ausweichstrategien um sich nicht mit den realen Problemen auseinandersetzen zu müssen, mit der Angst, die aus zunehmend unsicheren Arbeitsverhältnissen resultiert, mit den Schwierigkeiten, die neue offenere Beziehungsformen mit dem Partner bzw. der Partnerin mit sich bringen, mit der Angst, mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr mithalten zu können, mit den Gefahren für die Gesundheit durch industrielle Lebensmittelproduktion und Umweltvergiftung. All dies wird bei Seite geschoben und die ganze Angst auf einige Punkte ausgerichtet, die dann mit zum Teil menschenfeindlichen Fanatismus verfolgt werden.

Zum Ende des Mittelalters fokussierten sich derartige Ängste vor der Neuzeit auf die Sexualität und führten zum grausamen Massenmord an Frauen, die als Hexen verfolgt wurden. Heute finden wir die gleichen Ängste in unterschiedlichen Projektionen irrationaler Bedrohungsfantasien wieder, die ich teilweise schon genannt habe. In der Massenfurcht vor Kriminalität, die nur wenige real betrifft, in den Angstszenarien der Medien bei Sexualmorden an Kindern, in der Fremdenfeindlichkeit.

Aber auch die manische Verfolgung von Raucherinnen und Rauchern gehört in diesen Bereich. Und gerade weil diese Stigmatisierung des Rauchens relativ harmlose Auswirkungen hat, und dabei im Vergleich zu den anderen Problemen niemanden existenziell bedroht wird, scheint sie auch für viele ansonsten eher rational denkende und argumentierende Menschen eine willkommene Projektionsfläche zu sein. Außerdem lassen sich in ihr verschiedene Bereiche verknüpfen, der Sauberkeitswahn, die zwanghafte Körperkontrolle und die Suchtfeindlichkeit.

Der quasi-religiöse Fundamentalismus einiger Antirauchorganisationen, seien es nun Therapiegruppen ehemaliger Raucherinnen und Raucher oder ärztliche ‚Fach’kreise, zeigt sich dabei vor allem in ihrem Anspruch, daß sie die allein seeligmachende, in ihren Augen die einzig objektive Wahrheit verkünden würden. Totalitäre Glaubenssysteme glauben immer die Wahrheit gepachtet zu haben. Sie sind nicht bereit andere Meinungen als gleichwertig gelten zu lassen. Das Ideal absoluter Suchtfreiheit ist solch ein fundamentalistisches religiöses Relikt. Ein sinnvoller Umgang mit Süchten, eine offene Auseinandersetzung über den Umgang mit Tabak, Alkohol und anderen Rauschmitteln wird durch dieses Tabu absichtlich verhindert.

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(Fortsetzung, nächsten Samstag)

Revised by Carolus Magnus

4 thoughts on “Stigmatisierung der Raucher (Teil 1)

  1. Man kann nicht so schnell schreiben, wie der Wahnsinn sich verbreitet, vor unser aller Augen, und wie zugleich die Propaganda wirkt: wer den neuen Faschismus als solchen bezeichnet und zum Widerstand aufruft, ist ja nur ein Nikotiniker, der das Nazitum verharmlost …

    Allmählich zeigt sich, was den Selbstdenkern schon immer klar war: daß die Menschheit nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts gelernt hat. Schon der Satz, die Geschichte dürfe sich niemals wiederholen, ist pure Ideologie: weil er den Menschen suggeriert, alles sei in bester Ordnung, solange es keinen neuen Hitler gibt und keine uniformierten Horden, die zu dumpfer Marschmusik durch die Straßen marschieren und antisemitische Parolen grölen.

    Doch die Zeiten ändern sich, und der Faschismus ändert sich mit ihnen.

  2. Musste eben ins Tessin am Wochenende. Wirklich… „musste“. Ich hasse diesen Kanton. Die haben jetzt wirklich jeden m2 zubetoniert. Siedlungsbrei ist noch zu schön formuliert. Stadt wäre realistischer.

    Fortschrittlich wie das Tessin ist, gilt dort ja schon seit längerem absolutes Rauchverbot in Gaststätten. Und ich kann euch sagen, die Gaststätten (nicht die SchickeMicki Fressbeizen) sind so leer wie das Tessin vor 50 Jahren war. Aber trotzdem zwingen sie mich draussen zu rauchen. Sie (die Wirte)können ja nicht anders. Gesetz ist Gesetz. Die Mehrheit hat gewonnen. Aber mein Geld bekommen sie nicht, die Wirte. Für mich war es früher normal, 300 bis 400 Franken für ein Nachtessen auszugeben. Aber jetzt werde ich dort diskriminiert. Unter diesen Bedingungen gebe ich höchstens 100 Franken aus, weil meine Frau Nichraucherin ist. Macht nur weiter so. Ich bin sicher, innerhalb von 2 Jahren ist die Mehrheit der Wirte pleite.

  3. Völlig meine Meinung zum Tessin. Gehe auch nicht mehr dorthin seit dem Rauchverbot. Nur dumme Wirte warten bis sie pleite sind! Die Schlauen haben entweder bereits vor dem Rauchverbot in Kneipen und Restaurants oder gar vor Einführung der 0.5 Pro Mille-Guillotine verkauft. Einen, den ich kenne, spricht absolut kein Deutsch, ist aber vor 4 Jahren in einen kleinen Innerschweizerkanton gezogen und macht hier ein Riesengeschäft, obwohl er nur italienisch und kantonesisch spricht! Es scheint, die Chinesen sind uns weit überlegen…

  4. Es war jetzt das erste mal, dass ich 1 Tag verlebt hatte in so einem Anti raucher Kanton. Für mich ist klar: Von mir gibt es kein Geld mehr an die Gastronomen. Ich, der genügend Geld hätte, jeden Abend für zig Personen eine Party zu feiern, muss raus, zum rauchen.

    Wie schon früher dargelegt: Wir überlegen uns, auszuwandern. Entweder nach Fuereteventura, die Extramadura , oder nach Argentinien.

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