Affaire Nef – Ein Schweizer Sommerkrimi

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Eine Zusammenfassung für all jene, die das maßenmediale Sommerloch-Spektakel außerhalb der Schweiz verpaßt haben.

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Ein Stalker an der Spitze der Armee?

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8. Juni 2007

Brigadier Roland Nef wird vom Bundesrat auf Vorschlag des Verteidigungsministers Samuel Schmid überraschend zum Armeechef ernannt. Er löst Anfang 2008 Christophe Keckeis, einen hervorragenden Armeechef, ab.

15. Juli 2008

Bundesrat ahnungslos

Der Gesamtbundesrat war nicht darüber informiert, daß zum Zeitpunkt der Ernennung von Roland Nef zum Armeechef gegen diesen eine private Strafanzeige hängig war. Dies erklärte VBS-Sprecher Sebastian Hueber gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Ernennung von Roland Nef zum Chef der Schweizer Armee erhält nun einen schalen Nachgeschmack. Das VBS hat nun nach einem Jahr die Umstände der Ernennung präzisiert und zugegeben, dass Schmid die übrigen Mitglieder im Bundesrat nicht über eine vorgängige Untersuchung gegen Nef informiert hat. Dies solle nun «bei nächster Gelegenheit» nachgeholt werden.

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17.07.2008

Roland Nef ließt eine Presseerklärung vor

Armeechef geht gegen »Blick« vor

Armeechef Roland Nef hat vor den Medien bestätigt, seiner ehemaligen Partnerin nach einer Strafanzeige eine Wiedergutmachungszahlung geleistet zu haben. Es handle sich um eine Entschädigung und nicht um ein Schweigegeld, betonte Nef vor den Medien. Er beruft sich auf eine Stillschweigevereinbarung.

Der oberste Schweizer Armeechef erklärt sich vor den Medien in gezielt ungewohnter ziviler Kleidung in einer Presseerklärung und greift das Schweizer Boulevardblatt »Blick« massiv an. Einerseits sich einsichtig gebend und fast souverän, andererseits überreagierend in seiner Wut auf die Medien, was auf weitere Leichen im Keller hinweisen könnte.

Herr Nef, gute Medien als kontrollierende Vierte Gewalt sind zur Recherche verpflichtet und an denen mangelt es bereits genügend in Europa und der Schweiz! Wir haben bereits genug Käseblätter, die auf der Schiene der Politcal Correctness oder dem Gesundheitsfaschismus fahren und bevormundend besser wissen wollen, was für mündige Bürger gut ist und dem Nanny-Staat nach dem fusseligen Mund reden. Hätten Sie von Anfang an diese Pressemitteilung gehalten, wäre es nie soweit gekommen.

Es steht die Frage im Raum, ob sich der oberste Armeechef der Schweiz in seiner Position als solcher qualifiziert, wenn er nicht einmal im Privatleben Ordnung halten und einen kühlen Kopf bewahren kann.

Auch steht noch immer eine Erklärung seines Vorgesetzten, Bundesrat Samuel Schmid, aus, der die oberste Schweizer Regierung augenscheinlich nicht vollständig beim Nominationsvorschlag von Roland Nef informiert hatte.

Auch wenn dies, wie viele meinen, eine Retourkutsche seitens der SVP sein sollte, so sind die offenen Fragen und die vollständige Aufklärung dennoch dringend vonnöten.

18.07.2008

Bundesrat Schmid an der Medienpressekonferenz in Bern

19. Juli 2008

Hat Armeechef Frage falsch verstanden?

Die ehemalige Lebensgefährtin von Armeechef Roland Nef hat die Desinteresse-Erklärung laut Nefs Anwalt erst nach dessen Wahl zum Armeechef unterzeichnet. Nef hatte dies am Donnerstag noch verneint. Gegenüber der «Tagesschau» sagte Anwalt Bernhard Rüdy jetzt allerdings, Nef habe die entsprechende Frage auf den Zeitpunkt des Amtsantritts und nicht auf den Zeitpunkt seiner Wahl durch den Bundesrat bezogen.

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20. Juli 2008

Nef hetzte Sexhungrige auf seine Ex-Freundin

Bislang war unklar, weshalb Armeechef Nef von seiner Ex-Partnerin wegen Nötigung angeklagt worden ist. Jetzt kommen Details ans Tageslicht: Nef soll Sexinserate dazu benutzt haben, andere Männer auf seine Expartnerin zu hetzen. Bundesrat Schmid wußte davon, im Widerspruch zu seiner Erklärung vom Freitag. Dies deckt die Sonntagszeitung auf und präsentiert ein Protokoll der Strafuntersuchungsbehörden.

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Mit der Wahl seines neuen Armeechefs düpierte Verteidigungsminister Samuel Schmid ­seine Amtskollegen ­generalstabsmässig.

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21.07.2008

Couchepin mischt mit – Schmid stellt sich

Sämtliche Massenmedien stehen bereits den ganzen Tag ungeduldig Gewehr bei Fuß. Bundesrat Samuel Schmid hat eine Medienkonferenz angekündigt, es jedoch unterlassen, eine Zeit zu nennen. Ungeduldig warten die Presse-Geier noch immer um 16:10 Uhr im Bundeshaus und nichts tut sich. Frustrierend. Soeben wird eine Nachricht eingeblendet, dass eine Live-Sendung zur Affaire Nef um 16:30 Uhr beginnt. Die machen’s aber auch immer so spannend.

Auch Bundespräsident Pascal Couchepin und Bundesrätin Doris Leuthard haben sich heute zu den Vorwürfen an Armeechef Roland Nef geäußert. Während Doris Nichtssagendes verlauten ließ und nicht mal eine eigene Meinung vertreten kann, meinte Couchepin, daß das Problem der persönlichen Glaubwürdigkeit von Nef untersucht werden müsse.

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Tony Brunner, Präsident SVP
Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, muß Roland Nef zurücktreten. So etwas geht überhaupt nicht. Aber die Verantwortung trägt Samuel Schmid. Er hätte sich genau informieren können, hat es aber nicht getan. Daß er zurücktreten muß, dürfte nun für alle klar geworden sein. Das Renommee der Schweiz und der Rückhalt der Armee in der Schweizer Bevölkerung stehen auf dem Spiel.
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Christian Levrat, Präsident SP
Stimmen die Recherchen der «SonntagsZeitung», hat Nef die Grenzen des Tolerierbaren überschritten. Schmid muß seine Position überdenken. Tut er das nicht, muß der Bundesrat dafür sorgen, daß Nef geht. Ich sehe die Qualität von Schmids Arbeit immer kritischer. Aber sein Rücktritt ist nicht unsere Sache, er ist für vier Jahre gewählt.
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Da scheint man also von links bis rechts einig zu sein, nur die Journaille nicht ganz.

Kein Grund für einen Rücktritt Schmids

Die Live-Sendung aus dem Medienzentrum des Bundeshauses läuft, der Moderator stottert nervös irgendwas Inkohärentes, wiederholt sich um die Zeit zu füllen.

Ah, voilà. Gleich zu Beginn wird der Tarif durchgegeben, en français: Vous n’avez pas la possibilité de poser des questions.

Roland Nef ist seit seiner Presseerklärung vom 17. Juli 2008 beurlaubt und wird sich mittels Beweisumkehr am 20. August vor dem Bundesrat zu verantworten haben – seine letzte Chance, sonst ist der Rausschmiß aus der Armee gewiss.

Der 52-jährige André Blattmann übernimmt interimistisch die Leitung der Armee. Er war zwei Monate nach Nef im Herbst 2007 unter gleichzeitiger Beförderung vom Brigadier zum Divisionär vom Bundesrat zum Stellvertreter Nefs gewählt worden.

Bundesrat Samuel Schmid sieht sich handlungsfähig und sähe deshalb keinen Grund, von seinem Amt zurückzutreten. Da der Liste von Vorwürfen der Sonntagszeitung keine Beweise beigelegen hätten, fand der der Verteidigungsminister es nicht für opportun, darauf einzugehen.

Unser Sämi Schmid muß hellseherische Fähigkeiten haben. „Ich kann mir vorstellen, welche Fragen Sie beschäftigen“, adressierte er die Presse und begann diese gleich nach einer Einführung selbst zu beantworten. Nochmals: Fragen waren nicht zugelassen. Wer sich hellseherische Fähigkeiten zutraut, wird zumindest in der Psychiatrie als Megalomane diagnostiziert.

Er hätte einen Fehler gemacht, der aber aufgrund seiner vollen Handlungsfähigkeit keinen Grund dafür darstelle. Naja, er hat sich ja auch in den letzten 40 Jahren kein Bein ausgerissen und wäre diese Affaire nicht zutage getreten, es würde weiterhin ein Jeder bei der Aufzählung der sieben Bundesräte nach dem sechsten sagen „…und, …äh, …ehm, …äch – wie heißt der noch gleich, es liegt mir doch auf der Zunge?!“

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23. Juli 2008

Eigentlicher Problemfall Schmid

Die Affäre um Armeechef Roland Nef hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach erneuten Enthüllungen der Sonntagszeitung aus Nefs Privatleben hat Bundesrat Samuel Schmid den einstigen Hoffnungsträger des krisengeschüttelten Militärs beurlaubt. Eine Rückkehr ins Amt ist unwahrscheinlich, ebenso wie eine Lösung des eigentlichen Problemfalls Schmid.

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23.07.2008

Nef-Beurlaubung: Schmid bewegt sich auf dünnem Eis

Drei Tage vor der ausserordentlichen Sitzung der parlamentarischen Sicherheitskommissionen ist noch unsicher, wer seine Sommerferien unterbrechen kann und teilnimmt. Offen ist insbesondere die Teilnahme von Roland Nef und Bundespräsident Pascal Couchepin.

Artikel mit Telebärn-Video

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25. Juli 2008

Armeechef Nef tritt ab

Roland Nef macht reinen Tisch – und räumt seinen Posten per sofort. Damit zieht der Armeechef die Konsequenzen aus den jüngsten Enthüllungen zum Trennungsstreit zwischen ihm und seiner Exfreundin. Nef räumt Fehler ein und bedauert, daß Bundesrat Schmid seinetwegen in die Kritik geraten ist.

Armeechef Roland Nef schlägt Bundesrat Samuel Schmid zuhanden des Gesamtbundesrates die Auflösung des Arbeitsverhältnisses im gegenseitigen Einvernehmen vor. Nef erklärt, er habe im Rahmen der Auflösung der Beziehung zu seiner ehemaligen Partnerin Fehler gemacht, wie seine Anwälte am Freitag mitteilten.

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29. Juli 2008

Zischtigsclub

Armeedebakel – Bundesrat Schmid unter Beschuß

Armeechef Roland Nef soll seine Ex-Partnerin monatelang mit Sexanzeigen im Internet belästigt haben – dies geht aus einer Strafanzeige, welche die Sonntags-Zeitung veröffentlicht hat, hervor. Bundesrat Samuel Schmid stellt sich zuerst hinter seinen Armeechef, setzt ihn dann aber mit einem Ultimatum unter Druck. Nef soll seine Unschuld beweisen. Der Beschuldigte zieht die Konsequenzen: er tritt zurück. Hat Samuel Schmid den Armeechef geopfert um seine eigene Haut zu retten? Haben die Medien die Privatsphäre von Roland Nef verletzt? Was lief falsch bei der Ernennung von Nef zum Chef der Armee? Unter der Leitung von Matthias Aebischer diskutieren: Marc Walder, Chefredaktor SonntagsBlick Bruno Zuppiger, Nationalrat SVP/ZH Catherine Boss, Journalistin Sonntags-Zeitung Peter Studer, Publizist und Rechtsanwalt Hans Grunder, Nationalrat BDP/BE Beatrice Tschanz, Kommunikationsexpertin.

Link zum Zischtigsclub

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20.08.2008

Couchepin bezeichnet Affäre Nef als «Panne»

Der Bundesrat nimmt den Rücktritt von Armeechef Roland Nef an. Er dankt ihm für sein Engagement und bezeichnet den Vorfall als Panne. Ein neuer Armeechef soll Anfang 2009 sein Amt antreten.

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21.08.2008

«Die SVP will nicht, dass Schmid zurücktritt»

Wegen der Affäre Nef steht Bundesrat Samuel Schmid unter Druck. Aber eigentlich will niemand, dass er zurücktritt. Selbst der SVP, die ihr früheres Parteimitglied hart attackiert, käme eine Bundesratsvakanz derzeit ungelegen, sagt der Lausanner Politologe Georg Lutz.

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22.08.2008

Zürcher Justiz vom VBS unter Druck gesetzt?

Warum wurde die Hausdurchsuchung bei Roland Nef in Zürich verschoben und warum wurde das Strafverfahren nach dessen Wahl zum Armeechef eingestellt? Der Zürcher Kantonsrat wünscht von der Justiz Antworten zu diesen Fragen.

Zum Artikel

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29.08.2008

Affäre Schmid/Nef: Unfall oder Versagen?

Roland Nef wird trotz laufender Straf-Untersuchung Armee-Chef. VBS-Vorsteher und Bundesrat Samuel Schmid fragt nicht nach. Das Bundesrats-Gremium weiss von nichts. Die Schweiz hat mit der Affäre Schmid/Nef ihren Sommerskandal 2008. Was danach kommt sind hitzige Diskussionen: Über einen allfälligen Rücktritt von Schmid, über Verantwortlichkeiten und Versagen und über die Abgangsentschädigung von 275’000 Franken. Ist diese Abgangsentschädigung gerechtfertigt? Hat Schmid versagt und hätte zurücktreten sollen? Wieso stellt sich der Bundesrat vor Schmid? Welche Rolle spielen die Medien?

Es diskutieren:

  • Externer Link Toni Brunner, Präsident SVP
  • Externer Link Christophe Darbellay, Präsident CVP
  • Externer Link Christian Levrat, Präsident SP
  • Externer Link Fulvio Pelli, Präsident FDP

Arena 29.08.2008

Video-Umfrage: Was halten Sie von der Reaktion des Gesamtbundesrates

Video-Umfrage: Was halten Sie von der Reaktion von Bundesrat Samuel Schmid?

Video-Umfrage: Was halten Sie von der Abgangsentschädigung für Roland Nef von 275’000 Franken?

18. Nov. 2008

Bundesrat Samuel Schmid tritt zurück

Bundesrat Samuel Schmid hat seine Demission auf Ende Jahr angekündigt. Schmid gab vor den Medien eine kurze Erklärung ab, in der er unter anderem gesundheitliche Gründe für seinen Entscheid geltend machte. Er beantwortete keine Fragen.

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12. Dez. 2008

Anklage gegen Polizisten in Affäre Nef

Wegen Amtsgeheimnisverletzung

Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich hat in der Affäre um den früheren Armee-Chef Roland Nef Anklage gegen zwei Mitarbeiter der Stadtpolizei Zürich erhoben, und zwar wegen Amtsgeheimnisverletzung.

Pikant: Der hauptangeklagte Polizist ist eingeschriebenes SVP-Mitglied.

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28. Dez. 2008

SonntagsBlick bringt neues Licht in die geheime Akte Nef. Schon vor der Trennung von seiner Ex-Partnerin soll er sich skandalös verhalten haben.

Wenn der Chef der Armee erpreßbar ist, steht die Verteidigung des Landes auf tönernen Füßen. Deshalb – so befand die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats (GPK-N) vor einem Monat – seien die «sicherheitsrelevanten Daten über die Lebensführung» sowie seine «engen persönlichen Beziehungen und familiären Verhältnisse» besonders sorgfältig zu überprüfen. Bevor Roland Nef (49) zum Schweizer Armeechef gewählt wurde, sei genau dies nicht geschehen, stellte die GPK-N weiter fest.

Sexleben – Alkohol – Ausraster

update 23.10.2010

Entgegen den offiziellen Verlautbarungen der Zürcher Justizdirektion und der Oberstaatsanwaltschaft erklärt die Einstellungsverfügung im Fall Nef nicht, warum und für welchen Betrag sich der designierte Armeechef von Schuld und Strafe freikaufen konnte. Weltwoche und Beobachter haben die Veröffentlichung dieses Schlüsseldokumentes in einem aufwendigen Prozeß erstritten – und stellen dies nun via Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Von Alex Baur

Zürcher Justizdirektion in Erklärungsnotstand

3 thoughts on “Affaire Nef – Ein Schweizer Sommerkrimi

  1. Pingback: Sackstark » Blog Archive » Geld frißt Demokratie

  2. Roland Nef war bereits in der Kaserne Frauenfeld ein zu ehrgeiziger, unmenschlicher, narzisstischer, komplexbeladener, allseits gehasster, führungsschwacher Blender. Man hätte nur mal seine Rekruten fragen sollen. Die hätten vor ihm gewarnt….

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