Hotel Mama

 

Oedipus regiert

[Macht nichts, mein Sohn! Hauptsache, du hast deine Mama lieb!]

 

Interessanterweise gibt es in der Schweiz meines Wissens keine Statistik darüber, wieviel Prozent der Erwachsenen über 30 noch bei Mutter wohnen. Ältere Umfragen hingegen zeigen, dass vor allem zwischen 1990 und 1994 – bedingt durch den erschwerten Einstieg ins Berufsleben aufgrund des EWR-Neins – unter den Jugendlichen ein Hinauszögern des Wegzugs von zu Hause festzustellen war. 59 Prozent der 20- bis 24jährigen Frauen und 31 Prozent der jungen Männer gaben an, das Elternhaus mit 20 verlassen zu haben; bei den heute 45- bis 59jährigen waren es 71 beziehungsweise 56 Prozent.

In Italien hingegen weiß man inzwischen ganz genau, dass ein volles Drittel aller Männer über 30 noch immer bei ihren Eltern wohnt. Dem will nun die dortige Regierung mit Steuersenkungen entgegenwirken. Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa offeriert jedem Aus- und Entzugswilligen von der Mutterbrust € 1’000 Steuererleichterung über die ersten drei Jahre, falls er nicht mehr als € 15’000 jährlich verdient.

Mal ganz abgesehen davon, was Sigmund Freud dazu zu sagen hätte, sage ich, dass damit kein einziger dieser „bamboccioni“, wie sie der Wirtschaftsminister an einer Anhörung über das Budget 2008 bezeichnete und damit einen Sturm der Entrüstung von links bis rechts auslöste, hinter dem Ofen hervorzulocken ist.

Zu groß sind die Verlockungen, zu angenehm die Bequemlichkeiten um diese 30-plus-Babys vom Rockzipfel der Mutter zu trennen; denn Mutters Küche ist bekanntlich stets die Beste, das Zimmer, die Personalunion als Putzfrau, Köchin und Wäscherin sind kostenlos und kaum einer will für weniger als € 15’000 im Jahr auch noch arbeiten gehen, wenn es sich vermeiden läßt und er auch so ein abwechslungsreiches „dolce far niente“ führen kann.


[Carolus Magnus]


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