Heil Blocher – Sekte als Staatsmacht

 

Das süsse Gift der Macht

Die Politik bietet uns momentan wieder eindrücklichen Anschauungsunterricht, weshalb wir aus der Geschichte nicht lernen können und uns endlos im Kreis drehen. Die Sucht nach Macht blockiert eine humane Entwicklung im Sinn der Aufklärung und eines evolutionären Humanismus. Russland, Burma, Nordkorea demonstrieren es auf tragische Weise. Tendenzen in dieser Richtung sind aber auch bei uns zu beobachten: Die stärkste Partei der Schweiz ist zu einer Blocher-AG verkommen.

Beginnen wir im Ausland. Die feigen Generäle in Burma, die bis auf die Knochen abergläubisch sind und sich im Urwald verstecken (Verlegung der Hauptstadt ins Niemandsland), schicken die Soldaten in die Pagoden, um Mönche zu verhaften, niederzuknüppeln oder zu erschiessen. Und die autoritätsgläubigen Soldaten lassen sich zu willfährigen Vollstreckern der Generäle degradieren. Einziges Motiv für die Verbrechen im Namen der Politik: Machtdrang und Machterhalt.

In Russland erleben wir momentan ein ähnliches Schauspiel, wenn auch weniger blutig. Putin kann nicht abtreten, wie es die Verfassung eigentlich verlangt. Mit einem Trick übernimmt er eine andere Funktion, behält aber die Macht uneingeschränkt. Und zeitlich unbegrenzt. Ein ehemaliger Geheimdienstler kann die Macht nicht abgeben und knebelt das Volk, um seiner Sucht weiter frönen zu können.

ähnliches erleben wir in Nordkorea. Die Bilder von den Paraden des koreanischen Gipfeltreffens sprechen für sich. Auch hier sehen sich psychisch auffällige Gestalten in ihrer Verblendung als Heilsbringer. Wahrnehmungsverschiebungen und Realitätsverlust einzelner Polit-Zampanos stürzen ganze Völker ins Unglück.

 

  1. Auch bei uns wirkt sich der Machtdrang eines Mannes unheilvoll aus, auch wenn sich das Beispiel nicht mit den Vorgängen in Burma, Russland oder Nordkorea vergleichen lässt. Trotzdem: Der Wahlkampf zeigt, dass ‚Mister Schweiz‘ die Relationen verloren hat. Und dass sich eine ganze Partei in den Dienst dieses Mannes stellt.
  2. Die SVP hat sich zur Blocher-Partei reduzieren lassen. In vorauseilendem Gehorsam verkündet sie, dass sie Bern den ?Krieg? ansagt, falls Blocher nicht wieder gewählt werden sollte. Und dies selbst dann, wenn an Stelle von Blocher ein anderer SVP-Mann (eine Frau wohl kaum) gewählt werden sollte.

 

Bedenklich dabei ist, dass sich das Parlament erpressen und Blocher im Dezember wieder wählen wird.

Solang sich die Welt nicht von Machtmenschen, die sich als Heilsbringer verstehen, befreien kann, wird die Freiheit für viele ein Traum bleiben.

[Hugo Stamm]

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Hugo Stamm befasst sich seit 30 Jahren beruflich mit vereinnahmenden Gemeinschaften und Sekten. Er gilt als ausgewiesener Fachmann und hat viele Artikel, auch diesen hier, für den Tages-Anzeiger und mehrere Bücher zum Thema geschrieben.

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