Überlebensstrategie für IV-Rentner

Von Rolf im Forum Beobachter

Also die Abstimmung ist jetzt vorüber und wir müssen mit der SVP wohl oder übel leben.Ich selbst habe als direkt betroffener Behinderter und IV-Rentner meine Konsequenzen gezogen:

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Der Wegfall der Ehegattenrente macht bei mir pro Monat rund Fr. 700.- aus, das sind bis zum Erreichen des AHV-Alters rund Fr. 70’000.-, die meiner Altersvorsorge fehlen werden. Wenn man weniger Einkommen hat, müssen eben die Ausgaben gesenkt werden. An gewissen Ausgaben kann man nicht herumschrauben, an anderen sehr wohl.

Steuern

Die kantonalen und Gemeindesteuern lassen sich kaum ändern, die Kirchensteuer aber wohl. Einen Tag nach der Abstimmung hat unsere Kirchenbehörde von mir einen Brief erhalten mit dem Angebot, mir entweder 50% Steuerreduktion zu gewähren oder ich trete aus der Kirche aus.

Zeitungen

Sämtliche Zeitungsverlage, von denen ich ein Produkt beziehe, habe ich auf die Lage hingewiesen und Rabatt verlangt. Es ist wunderbar, wie die Zeitungen bemüht sind, ihre Auflageziffern zu halten:

»Tages Anzeiger« 30% Rabatt

»Weltwoche« 30% Rabatt

»Schweizer Familie« 30% Rabatt

»Natürlich« 50% Rabatt

Lediglich der Ringier Verlag stellte sich quer. Die haben jetzt eben einen Kunden weniger.

Handwerker

Rechnungen des Kaminfegers beispielsweise, ein strammer SVPler, bezahle ich nicht früher als mit 90 Tagen Zahlungsziel, der kann mir Mahnungen schicken soviel er will. In der Zwischenzeit liegt das Geld bei mir am Zins. Wenn er sich beklagt, hört er von mir einen entsprechenden giftigen Vortrag von wegen IV-Revision und Ehegattenrente.
Im Übrigen frage ich jetzt jeden Handwerker, ob er SVP-Mitglied sei und wenn er das bejaht, kann er gleich wieder gehen.

Straßenverkehr

Steuern für mein Auto zahle ich auch keine mehr, da es sich um ein Behindertenfahrzeug handelt. Das muß man aber erst mal wissen und beantragen, denn die Behörden sagen einem das nicht von sich aus.

Allgemeiner Konsum

Ich habe in früheren Jahren mal einige Zeit in Afrika gearbeitet und dort gelernt, wie man feilscht. Deshalb wird grundsätzlich bei JEDEM Konsumartikel, selbst in der Migros, immer nach Rabatten für Behinderte gefragt. Ich habe mir daraus inzwischen ein richtiges Hobby gemacht, wie etwa samstags fünf Minuten vor Ladenschluß noch Früchte und Gemüse herunterzuhandeln. Zieht man das konsequent durch, kann man eine Menge Geld sparen, ohne daß die allgemeine Lebensqualität darunter leidet.

Abfälle/Gebühren

Ich weiß inzwischen sehr genau, wo ich Abfälle entsorgen kann. Abfalltrennung lohnt sich wirklich: Gemüse etc. in den Grüncontainer, Dosen in die Blechsammlung, Glas in den Glascontainer und der ganze Rest in den öffentlichen Abfallkübel irgendwo in der Gegend. Gebührensäcke kaufe ich nur noch einmal alle zwei Jahre.

Gastgewerbe

Ein Cola (3dl) kostet im Restaurant Fr. 3.80 – Eine Büchse Cola (3dl) vom Supermarkt, wenn es gerade Aktion ist: Fr. -.50 und es ist genau der gleiche Saft und in meiner Picknick-Schenke am Waldrand kann ich rauchen wie ich will; wenn die Kinder lärmen und umhertoben, beklagt sich niemand, im Gegensatz zum Restaurant.

Wenn das nun sämtliche 600’000 Behinderten in der Schweiz so machen, geht der Konsum in die Knie und dann spüren es auch die vielen grossen und kleinen Bortoluzzis, Maurers, Couchepins und Konsorten. Das ist nämlich die einzige Sprache, die diese Leute verstehen!

Wie heißt es doch so schön: „Geiz ist geil…“

[Quelle]

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