Gesetz, das mit den Traditionen bricht
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Was Rauchverbotsgegner im Kampf für den Erhalt der Freiheit seit langem befürchten, ist nun nach nur gerade mal drei Wochen seit der Installation des Rauchverbots in der Türkei eingetreten. Jeder verpfeift jeden und die eigens für massenweise aus dem Boden schiessenden Spitzel eingerichtete Hotline-Nummer 184 läuft rund um die Uhr heiß – einer sagt gar, er würde seinen eigenen Vater verpetzen! Militante deutsche Antiraucher wünschen sich solche Verhältnisse auch in ihrem Land, wohl unwissend, daß sie diese vor 70 Jahren bereits einmal hatten und ignorant gegenüber dem damaligen Resultat.
Dr. Ernst Kaltenbrunner, oberster Nazi-Geheimdienstler, Nazi-Massenmörder und ab 1935 Kopf der Österreichischen SS, hätte seine helle Freude daran gehabt!
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Das radikale Rauchverbot in türkischen Bars und Restaurants gilt auch für Wasserpfeifen; Wirte bangen um ihre Existenz. Weil Raucher anzeigen türkische Mode geworden ist, herrsche ein Stimmung wie bei «Big Brother», findet Hürriyet: Täglich gehen derzeit Tausende Meldungen ein.
ISTANBUL – Ein paar Tage versuchte Nuri Bilenler, ein Kaffeehausbesitzer in der westtürkischen Stadt Manisa, sich mit dem Rauchverbot abzufinden, das seit dem 19. Juli in allen Restaurants und Bars gilt. Aber es ging nicht, die Gäste blieben aus. Schließlich griff der Wirt zu einer Radikalkur und riss das Wellblechdach über seinem Etablissement ein. Jetzt sitzen die Gäste im Freien und nuckeln genüsslich an der Nargile, der Wasserpfeife. «Alle sind zufrieden», sagt Bilenler: «meine Gäste, der Inspektor von der Gesundheitsbehörde, und ich auch».
Vor allem die Liebhaber der Wasserpfeife können es kaum fassen, dass es die Regierung Ernst meint mit dem Gesetz Nummer 4207, das den Tabakgenuss in Gasträumen und sogar unter einer Markise oder einem Sonnenschirms verbietet. «Man kann doch eine alte Tradition nicht per Gesetz abschaffen», sagt Osman Ersoy, der eines der vielen Wasserpfeifen-Cafes im Istanbuler Stadtteil Tophane betreibt. «Die Nargile ist keine Zigarette – sie bedeutet ein soziales Erlebnis.»
Ein «Land der guten Luft» sollte die Türkei werden, aber erst einmal scheint sie sich in ein Land der Spitzel zu verwandeln. Tausende Anrufe gehen jeden Tag bei der Polizei und auf der Hotline 184 des Gesundheitsministeriums ein, wo die Bürger eifrig Verstöße gegen das Rauchverbot melden – wie Remzi Caliyir aus Adana. Der verpetzte seine Freunde, als sie in einem Kaffeehaus zur Zigarette griffen. Als die Polizei eintraf, waren die Raucher zwar weg. Aber Caliyir lässt sich nicht entmutigen: «Ich würde sogar meinen eigenen Vater anzeigen.» Vor allem wegen der Spitzel geht bei den Wirten die Angst um. In der Türkei herrsche inzwischen eine »Big Brother-Atmosphäre«, schreibt die Zeitung „Hürriyet“.
So sehr Premier Erdogan auch in den islamischen Traditionen verwurzelt ist – die Wasserpfeife gefällt ihm nicht. Deshalb macht der Kampf gegen den Tabakgenuss, von dem der Abstinenzler sagt, er sei «so wichtig wie der Kampf gegen den Terrorismus», auch vor der Nargile nicht halt. Unerbittlich wird das Rauchverbot durchgesetzt.
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Bald auch in Deutschland?
Zumindest rief Ulla Schmidt dazu auf
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Das da hätt’ einmal fast die Welt regiert,
Die Völker wurden seiner Herr.
Jedoch ich wollte,
daß ihr nicht schon triumphiert:
Der Schoß ist fruchtbar noch,
aus dem das kroch.
Bertolt Brecht, Kriegsfibel, 1955
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