Statistische Wahrheiten (Teil 2)

 

Bürgerinnen und Bürger gehören nicht ihrem Staat

Der Umgang mit Statistik in den Naturwissenschaften und der Medizin ist in hohem Maße wissenschaftlich unseriös. Wenn heute moniert wird, daß durch die Privatisierung von Forschung und Hochschulwesen Wissenschaft immer käuflicher wird, lässt sich hier nur feststellen, daß dies für weite Kreise von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen schon lange zur Normalität gehört. Wes Hafer ich freß, des Lied ich sing.

Statistische Verfahren gehen immer von Setzungen aus, nämlich all der Dinge, die nicht untersucht werden, beziehungsweise aufgrund struktureller Probleme als Ursachen gar nicht erfasst werden können. Das tendenziöse Schweigen in dieser Richtung ist ein Versagen, das aber längst zum Alltag durchschnittlicher Mediziner und Medizinerinnen und Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler gehört.

Wenn das einzige, was ich datenmäßig erfasse die Dammhöhe ist, dann ist zwangsläufig ein zu niedriger Damm die Ursache der Überflutung. Eine solche Engführung der Wissenschaften wie sie in den Antirauchpamphleten und in der Genetik stattfindet ist Mittäterschaft.

Für statistische Untersuchungen gilt aber noch ein sehr viel grundlegenderes Problem. Statistik kann wissenschaftlich seriös nur Aussagen über eine größere Menge von Menschen treffen, über den Einzelfall sagt die Statistik gar nichts aus. Den europäischen Durchschnittsmenschen gibt es nicht, er ist eine rein mathematische Fiktion der statistischen Wissenschaft. Menschen sind alle unterschiedlich, aus diesem Grund ist es mathematisch falsch ein statistisch erhobenes Gesundheitsrisiko für eine Menge von Menschen auf den Einzelfall zu übertragen. Die Rede davon, daß ein Krebsrisiko für eine Raucherin so und so hoch sei ist reine Scharlatanerie, die mathematisch statistische Wissenschaft schließt eine solche Schlussfolgerungskette auf den Einzelfall aus.

Ich will dies kurz an einem Beispiel erläutern.

Nimm sechs Würfel! Einen Würfel nur mit Einsen, einen Würfel nur mit Zweien, einen Würfel nur mit Dreien, einen Würfel nur mit Vieren, einen Würfel nur mit Fünfen, einen Würfel nur mit Sechsen. Statistisch wird beim Würfeln mit allen sechs Würfeln jede Zahl gleichhäufig erscheinen, daraus zu schließen, dies würde auch für die einzelnen Würfel gelten ist aber offensichtlich falsch. Nur bei sechs gleichen Würfeln ist ein Schluss von der Statistik auf den Einzelfall zulässig. Menschen sind aber nicht gleich. Das heißt, das statistische Krebsrisiko bezogen auf den Faktor X sagt absolut nichts über mein individuelles Krebsrisiko aus, auch wenn der Faktor X bei mir vorkommt, bin ich doch ansonsten unterschiedlich zu allen anderen Menschen mit demselben Faktor.

Die Probleme des Krebs primär auf das Rauchen und genetische Ursachen abzuschieben ist eine grobe Verharmlosung der vielfältigsten und alltäglichen Umweltvergiftung durch Industrie und industrialisierte Landwirtschaft, und auch eine Verharmlosung der niedrigen Qualität industriell oder gar gentechnisch hergestellter Nahrungsmittel.

Letztendlich geht es hier um die Auslagerung von Produktionskosten. Denn als Kosten für die Industrie würden erhöhte Umweltauflagen zu Buche schlagen, wenn die durch die Industrie verursachten Belastungen und ihre gesundheitlichen Auswirkungen ernsthaft berücksichtigt würden. Wir bezahlen mit immer höheren Krankheitsraten, mit mehr Krebs, mit mehr Atemwegserkrankungen und mit mehr Allergien die Sparmaßnahmen der Konzerne im Umweltbereich und die Milliardengewinne der Atomindustrie. Ihre steigenden Aktienkurse bezahlen wir mit unserer Gesundheit.

Die Raucherinnen und Raucher und die Zigarettenindustrie sind hier ein willkommener Sündenbock um von den tatsächlichen Zusammenhängen abzulenken.

Dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier im Rahmen der Antirauchkampagnen instrumentalisieren lassen hängt wesentlich von den finanziellen Abhängigkeiten ihrer Forschung ab. Andere Forschung wird halt nicht finanziert. Und im Vergleich zu den hier zu Buche schlagenden industriellen und politischen Interessen ist auch die Zigarettenindustrie machtlos.

Außerdem arbeiten auch Tabakkonzerne nach kurzfristigen Gewinninteressen. Die Interessen der Raucherinnen und Raucher oder gar die Interessen einer freien Gesellschaft werden von der Tabakindustrie nicht vertreten. Genauer werde ich darauf noch im Kapitel «Die Ignoranz der Tabakkonzerne» eingehen.

Vollständig absurd wird dann das, was die Presse aus diesen Aussagen macht, wenn die Journalistinnen und Journalisten durch die Statistiken nicht mehr durchsteigen und sich zu Aussagen wie, „100.000 Menschen in Deutschland sterben weil sie rauchen“, hinreißen lassen. Als würden Nichtraucherinnen und Nichtraucher nicht sterben. Ich habe aber auch schon mal folgende Schlagzeile in der Boulevardpresse gelesen: «40% aller Raucher sterben». Na, da fange ich doch sofort an zu rauchen, vielleicht gehöre ich dann ja zu den anderen 60%, die nicht sterben.

Noch einmal, Ich bestreite nicht, daß Raucherinnen und Raucher in Europa und den USA im statistischen Mittel früher sterben. Aber die Statistik ist nicht auf den Einzelfall übertragbar. Unter besonderen Umständen mag sich dies sogar umdrehen. So gibt es Hinweise, dass Rauchen unter bestimmten Umständen sogar der Gesundheit zuträglich sein kann. Der Tabak wurde noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen Lungenkrankheiten von Medizinern verordnet und auch in Europa als Heilkraut verwendet.

Ähnliches lässt sich ja z.B. vom Anschnallen im Auto sagen. In den meisten Fällen wird das Anschnallen mich vor schwereren Verletzungen bewahren. Es gibt aber auch Ausnahmeunfälle, in denen gerade aufgrund des Anschnallens die Insassen zu Tode kommen und unangeschnallt überlebt hätten. Z.B. bei Autobränden. Ich halte die Anschnallpflicht deshalb für einen schweren Verstoß gegen das Grundgesetz, da sie im Einzelfall durchaus den Zwang zur Selbsttötung bedeuten kann. Statistisch rettet sie zweifelsohne Leben. Nur muss die Sorge um meine körperliche Unversehrtheit mir überlassen bleiben.

Bürgerinnen und Bürger gehören nicht ihrem Staat. Es ist einzig und allein meine Sache, welchen Risiken ich mich selbst aussetze.

Vielleicht entspannt mich ja das Rauchen und ich vermeide deshalb z.B. eine Auseinandersetzung, die vielleicht zu Handgreiflichkeiten mit massiven Verletzungen geführt hätte. Oder es macht mir einfach Spaß. Oder es hilft mir beim Träumen. Oder ich benutze sie gegen depressive Anwandlungen. Oder…

Sicherlich, am ältesten werden in Europa griechische Landbewohnerinnen und Landbewohner. Aber ich gebe zu, daß das regelmäßige und recht eintönige Leben einer griechischen Olivenbäuerin nicht meinen Lebensvorstellungen entspricht. Da lebe ich lieber kurz und angenehm.

In den letzten Jahrzehnten wird nun zunehmend mit der Gefährdung für sogenannte Passivraucher und Passivraucherinnen gegen das Rauchen argumentiert. Auch diese Gefahr für Menschen, die in sich in verrauchten Räumen aufhalten ist nur begrenzt genau zu bestimmen. Dass gewisse Einschränkungen der Wellness für in diesem Sinne ‚mitrauchenden‘ Menschen gegeben sind will ich dabei gar nicht bestreiten.

Grundsätzlich werden wir aber durch vielfältige Aktivitäten unserer Mitmenschen Gefahren ausgesetzt. Als wichtigstes Beispiel und zweifelsohne weitaus relevanter als das Rauchen ist hier z.B. der Autoverkehr zu nennen. Aber auch die meisten anderen unserer Lebensaktivitäten bergen ein gewisses Gefahrenpotential für andere Personen, z.B. kann ich beim Kochen einen Brand auslösen, oder wenn ich in der Öffentlichkeit niese, andere Menschen anstecken, oder ich schädige andere durch Lärmbelästigung, oder – hier lässt sich noch vieles erdenken. Und will ich gerecht sein, müsste ich an sich die gesamten Folgen meiner Handlungen und meines Konsums berücksichtigen und nicht nur die direkten Folgen. Also müsste ich berücksichtigen, wieviel Rohstoffe und Platz ich durch den für mich beanspruchten Wohnraum verbrauche, und anderen damit vorenthalte, welche Folgeschäden z.B. in ärmeren Ländern mein Fleischkonsum hat aufgrund der Fütterung von Mastschweinen mit Importsoja und vieles andere mehr.

Was wir auch immer tun, in einer Welt mit begrenzten Ressourcen kann nicht nur Luft sondern auch alles andere nicht in beliebigen Mengen verbraucht werden. Die Menschen sind darauf verwiesen hier in gegenseitiger Rücksichtnahme zu einer Einigung zu kommen.

Letztendlich setzt dies eine ehrliche Bestandsaufnahme des persönlichen gesamten Ressourcenverbrauchs voraus sowie der gesamten Belastung, der ich andere aussetze. Um dann zu einer Einigung zu kommen, bei der allen in etwa gleiche Rechte zukommen, aber ohne Gleichmacherei. D.h., daß vielleicht eine lieber eine große Wohnung hat und zweimal im Jahr in den Urlaub fliegt, und ein anderer lieber raucht und Auto fährt. Das würde sich dann vielleicht ausgleichen. Natürlich ist eine solche Abwägung nicht eindeutig in Zahlen zu fassen, es bedarf hier vielmehr einer Einigung in der Diskussion.

Wenn heute aber bestimmte Belastungen besonders hervorgehoben werden, wie das Rauchen, und andere, wie der Autoverkehr, oder, große Wohnbereiche verharmlost werden, dann hat dies sehr viel mit der unterschiedlichen Machtverteilung der gesellschaftlichen Gruppen zu tun, die diese Dinge nutzen.

Zigaretten sind ein Konsumgut, das überwiegend von Menschen mit geringerem Einkommen genutzt wird. Raucherinnen und Raucher verfügen auch aufgrund dessen, daß es sich bei ihnen eher um Menschen unter 35 handelt, nur über wenig politische und soziale Macht. Und Zigaretten werden weitestgehend importiert, so daß in Deutschland, im Gegensatz zum Wirtschaftsfaktor Auto, im Bereich der Tabakindustrie nur ein untergeordnetes Interesse besteht. Die Verschiebung der Probleme der Umweltbelastungen, die durch unsere Lebensweise verursacht werden, auf das Rauchen, bietet für Nichtraucherinnen und Nichtraucher eine bequeme Möglichkeit der Verdrängung ihrer eigenen Schuld.

Es ist ziemlich albern, daß Menschen, die ein Flugzeug nutzen und damit massivste Schädigungen der Erdatmosphäre mit verursachen, sich über ein wenig Zigarettenqualm im gleichen Flugzeug aufregen. Das gleiche gilt für Autofahrer oder -fahrerinnen, die sich über Qualm aufregen.

Auch hier haben wir wieder die Antirauchideologie und ihre blinden Flecke, ihre Verdrängungen, die Nichtberücksichtigung anderer Belastungen als des Passivrauchens, z.B. Belastungen durch Flugverkehr und Autoabgase, die auch von Antiraucherinnen und Antirauchern verursacht werden.

Natürlich ist grundsätzlich die Aufrechnung von Leben in Umweltbelastungssummen, wie sie Antiraucherinnen und Antiraucher standardmäßig betreiben, höchst fragwürdig. Aber denke ich diese menschenverachtende Art und Weise zu argumentieren zu Ende, gilt, dass Raucherinnen und Raucher allein aufgrund ihrer statistisch kürzeren Lebenserwartung vermutlich in der Regel mit einer wesentlich besseren Ökobilanz dastehen als Nichtraucherinnen und Nichtraucher. Wie gesagt halte ich derartige Zahlenspielchen einer instrumentellen Vernunft aber insgesamt für untragbar.

Die Lösung muss vielmehr in einer gemeinsamen Suche nach für alle befriedigenden oder zumindest tolerierbaren Lösungen bestehen, ohne alle über einen Kamm zu scheren. Es darf nicht darum gehen alle Menschen gleichzumachen.

Die Gegenargumentation von Antirauchern und Antiraucherinnen, daß im Gegensatz zu Rauchern und Raucherinnen, die ihre Zigarette ja nun nicht wirklich brauchen würden, z.B. Autofahrerinnen und Autofahrer aber ja nun ihr Auto bräuchten, weist eher auf den Dogmatismus dieser Ideologie hin. Denn angesichts abertausender allein in ihrem Auto in Großstädten mit Nahverkehrsnetz herumfahrenden Autofahrerinnen und Autofahrer ist dies schon ziemlich aberwitzig. Es gibt ausreichend Untersuchungen die belegen, daß ein Großteil aller Fahrten mit dem Auto auch anders zu bewältigen wäre. Das Auto ist ein Statussymbol und viele finden es angenehmer als öffentliche Verkehrsmittel.

Raucherinnen und Raucher behaupten im Regelfall nicht, dass sie aus objektiven Gründen rauchen müssen. Sie sind also wesentlich weniger dem Irrealen verfangen als diese autofreundlichen Antiraucherinnen und Antiraucher. Suchtcharakter und Ich-Schwäche wäre dann wohl auch eher den Letztgenannten zu unterstellen.

Zwangscharaktere, wie die Antirauchfraktion agieren auf diese Weise häufig nach dem St. Florians-Prinzip. Anstatt zuerst vor der eigenen Tür zu kehren und all die Dinge zu thematisieren mit denen sie die Umwelt belasten, vom Autofahren, über Stromverbrauch, Kleidung bis hin zu Urlaubsflügen schieben sie alles auf Raucherinnen und Raucher oder andere, in ihren Augen ‚minderwertige‘ Gruppen ab.

Zum Schluss will ich noch einmal wesentliche Argumente dieses Kapitels in Kurzform zusammenfassen.

Rauchen lässt sich bequem und einfach einzelnen Menschen zuordnen und statistisch individuell erfassen. Diese besondere Qualität als statistisch gut zu beherrschender Faktor führt zur Überbewertung des Rauchens als Krankheitsauslöser. Die Schädlichkeit des Rauchens wird so durch den wissenschaftlichen Ansatz im Vergleich zu anderen Risiken grob übertrieben und schießt weit über das Ziel hinaus.

Damit bedienen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aber die einseitigen Interessen ihrer Auftraggeber, denen an einer individuellen Schuldzuweisung an der Krankheit gelegen ist. Denn nur so lassen sich die Ursachen, die aus der Industrieproduktion und einer menschenfeindlichen Politik resultieren, vertuschen.

Menschen werden krank und sterben früher als nötig an der schleichenden Vergiftung ihrer Umwelt durch Chemie und die Niedrigstrahlung der Atomindustrie, durch Stress am Arbeitsplatz, schlechte Arbeitsbedingungen, Armut und schlechte Wohnverhältnisse. Dies alles sind aber statistisch kaum oder gar nicht zu erfassende Faktoren. Bei statistischen Untersuchungen fallen sie weitgehend unter den Tisch.

Im Zuge der Privatisierung der Krankheitskosten ist die Raucherlüge ein willkommenes Mittel für individuelle Schuldzuweisungen. Schließlich will doch niemand, daß die Deutsche Industrie für die Folgekosten ihrer Produktionsweisen zur Kasse gebeten wird. Zumindest diese Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wohl nicht. Sie machen sich durch diese Form unseriöser Statistikwissenschaft zu Handlangern eines Systems, das individuell zuordenbare Faktoren weit überbewertet, und allgemeine, aus den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen resultierende, Krankheitsursachen im statistischen Rauschen verschwinden lässt.

Alle Lebensäußerungen sind mit Belastungen anderer verbunden. Deshalb kann die Forderung aber nicht heißen mit dem Leben aufzuhören. Ich fordere nicht totale Autofreiheit oder das Verbot von Urlaubsflügen, was wir brauchen ist ein sinnvoller Ausgleich unter allen.

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revised by Carolus Magnus

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