Corpus Delicti

Juli Zeh ist mit CORPUS DELICTI der weibliche George Orwell der Gegenwart geworden.

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«Ich will nicht, daß der Staat mir an die Wäsche geht»

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«Ich rauche seit zwei Jahren aus politischen Gründen»

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Jung, attraktiv, begabt und unabhängig, wie die Autorin selbst: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muß. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen, daß ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier »Methode« genannt, auch aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.

Juli Zeh entwirft in CORPUS DELICTI das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerpflicht geworden. Die „Methode“ verlangt ein festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.

CORPUS DELICTI handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand? Juli Zehs CORPUS DELICTI. EIN PROZESS ist ein visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft – und unsere Gegenwart.

«Wir schreiben das Jahr 2057. Das Staatswesen übt eine penible Gesundheitsdiktatur aus. Alles wird kontrolliert. Der Staat zwingt seine Bürger zu radikalster Vorsorge. Ein sehr nachdenklich machendes Buch, das aufzeigt, wie hehre ökologische und gesundheitspolitische Ziele sich verselbstständigen können und ins Brutale abgleiten.» (ARD)

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Ein von Krankheit und Schmerz befreites, glückliches Leben als oberstes Prinzip staatlichen Handelns hat sich im Jahre 2057 durchgesetzt. Das System sorgt mit hochkomplexen Kontrollmechanismen dafür, dass der kleinste Anflug von Krankheit im Keim erstickt wird: Strenge Hygienevorschriften, umfassende Überwachung medizinischer Untersuchungsergebnisse und sportliche Ertüchtigungsprogramme garantieren jedem Einzelnen das absolut schmerzfreie Leben.

Die Biologin Mia Holl, ursprünglich systemtreue Verfechterin des Prinzips Gesundheit, wird durch den Tod ihres Bruders aus der Bahn geworfen. Moritz Holl hatte durch systemfeindliches Verhalten mehrfach die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich gezogen – wiederholter Tabakmissbrauch, Umherstreunen in bakteriell verseuchtem Gebiet –, bis er durch eine DNA-Analyse eines Sexualmords überführt wurde. Trotz hartnäckigen Leugnens seiner Schuld wurde er zur Höchststrafe verurteilt, der er sich im Gefängnis durch Selbstmord entzog. Mia Holl entdeckt durch seinen Tod eine «besondere Begabung zum Schmerz», vernachlässigt die Grundregeln des Systems und gerät nun ihrerseits in die Fänge der Justiz. Verfolgt und angeklagt von dem Journalisten Heinrich Kramer – dem ideologischen Vorkämpfer der METHODE und medienwirksamen Verfechter der Unfehlbarkeit des Systems – wird sie Opfer eines Schauprozesses. Längst geht es nicht mehr um die Causa Moritz Holl, gekämpft wird für oder gegen das System.

«Corpus Delicti» ist das erste Theaterstück der für ihr schriftstellerisches Werk vielfach ausgezeichneten Autorin Juli Zeh, die bislang vor allem durch ihre Romane «Adler und Engel», «Spieltrieb» oder «Schilf» zu großer Bekanntheit gelangte. Am Luzerner Theater wird der rhetorisch brillante, sprachgewaltige Science-Fiction-Krimi von dem Schweizer Filmemacher Samir in Szene gesetzt, der zuletzt mit seinem Film «Snow White» das Glamourleben eines Partygirls von der Goldküste auf der Kinoleinwand entzauberte. Am Schauspielhaus Zürich ins­zenierte er zuletzt die Deutschsprachige Erstaufführung von Simon Stephens «Motortown» und Tennessee Williams «Die Glasmenagerie».

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Rezensionen


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Ruth Lisa Knapp

Die Zukunft findet jetzt schon statt

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Armin Kratzert – Bayerisches Fernsehen

Juli Zeh – Corpus Delicti

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Frankfurter Allgemeine Zeitung

Juli Zeh verfügt über den Scharfsinn und die Belesenheit, um ihre Einsprüche gegen den Zeitgeist so zu verfassen, dass sie nicht verlegen machen, sondern Wucht entfalten. Der Juristin im Nebenberuf gelingt es mühelos, die analytische Darstellung in die literarische Form hineinzuholen – hier, in CORPUS DELICTI, geschieht das in der Kunstform der Utopie, die seit je dem Diskursiven gebührend Raum gibt. So gebiert Belletristik analytischen Verstand und umgekehrt: Erzählen und Argumentieren sind eins. Darauf kann man sich bei dieser Autorin verlassen.“ – FAZ

DIE ZEIT

Juli Zeh schildert die Entgleisung ins Brutale mit seltsamer Kälte. Sie ist eine analytische Apokalyptikerin in der Nachfolge Jewgenij Samjatins, Ray Bradburys und Philip K. Dicks. Als solche polemisiert sie gegen eine postutopische Epoche, die sich zu viel auf die Überwindung der Utopien zugutehält. Die literarische Form ist eine Gerichtstragödie in Prosa, ein Traktat in verteilten Rollen, ein Science-Fiction-Krimi und stetig sich beschleunigendes Debattierstück.“

DER SPIEGEL

Zum Glück hält sich Juli Zeh nicht lange mit der detailvernarrten Ausschmückung ihres Überwachungsstaates auf. Stattdessen konfrontiert sie ihre Leser geschickt und ziemlich spannend mit dem philosophischen Für und Wider ihrer aller Metaphysik beraubten Beinahe-Idealgesellschaft. Die Kunst dieser Autorin besteht gerade im scharfsinnigen Gedanken-Pingpong ihrer Versuchsanordnungen, in einem heiter-diskursiven Furor, wie man ihn sonst nur (hölzerner) von Bernhard Schlink kennt und wie ihn früher Friedrich Dürrenmatt beherrschte.“

NDR Kultur

CORPUS DELICTI ist eine bittere Parabel auf alle totalitären Systeme und das Zerrbild unserer möglichen Zukunft. Juli Zeh hat damit ein hoch politisches, verstörendes Science-Fiction-Buch geschrieben, ein Plädoyer für die Würde des Individuums.“

Neue Osnabrücker Zeitung

Geschickt nutzt die ausgebildete Juristin Zeh ihren Roman zur Diskussion eines staatsrechtlichen Dilemmas: des Umkippens gesellschaftlicher Fürsorge in die Überwachung. Die Autorin trifft einen Nerv der Zeit, wenn sie die Debatte vor allem gerade am Thema des Körpers verhandelt.“ – OZ

Deutschlandradio

Juli Zeh ist mit CORPUS DELICTI der weibliche George Orwell der Gegenwart geworden.“

Beck Steffen

„Der Science Fiktion Thriller kann als Fortsetzung von Orwells 1984 gelten. Juli Zeh beschreibt eine Gesundheitsdiktatur Mitte des 21. Jahrhunderts. Diese Diktatur hat den Menschen von jeglichen Krankheiten befreit und die körperliche Unversehrtheit zum höchsten Gut erhoben. Allerdings schränkt sie die individuelle Freiheit ihrer Bürger bis hin zur totalen (Gesundheits)überwachung stark ein und verordnet ihren Bürgern ein umfassendes Vorsorge- und Sportprogramm zur Gsunderhaltung des Menschen. In der Handlung verläßt man sich so auf scheinbar wissenschaftlich unumstößliche Tatsachen (Die Partei will sagen, die Wissenschaft hat immer Recht), daß man damit mindestens 2 Menschen ins Unglück, einen sogar in den Suizid treibt. Dies wiederum führt dazu, das die bisher eher unpolitische Schwester des Opfers zum Regimgegner wird und nun die ganze unmenschliche Härte des Systems zu spüren bekommt. Dies wird von Juli Zeh mit erschreckender Diabolik erzählt wobei sie aktuelle Streitfragen aufwirft; wie zB. die Datensammelwut unserer derzeitigen Regierung im Schatten der terroristischen Bedrohung … Ein hilfreiches Buch zu aktuellen Fragen unserer Zeit.“

Konrad Rauber

„Juli Zeh entwirft in ihrem Buch Corpus delicti eine interessante Zukunftsversion unserer Gesellschaft. Zwar wirkt das Ausmaß der totalitären Gesundheitsvorsorge an manchen Stellen übertrieben, doch erkennt man auch oft Tendenzen momentaner Gesundeitsdiskussionen wieder. So fern scheint das staatlich verordnete „gesund sein“ nicht, wenn man an Disease Management Programme, Vorsorgeprogramme die Bonuspunkte bringen und den Umgang mit Rauchern denkt. Zehs Sprache ist schnörkellos, manchmal ein wenig zu glatt und détaille-los. Die Figuren erscheinen im Buch oftmals leer und emotionslos, was aber durch den Plot einer rein auf das Erhalten biologischer Funktion fixierten Gesellschaft sinnvoll erscheinen kann. Das Beste am Buch, soviel vorweg, ist das Ende, und das nicht, weil man es herbeigesehnt hätte.“

NZZ: Renzension

Zum ARD-Interview mit Juli Zeh

Trailer aus dem Stadttheater Luzern, Schweiz

Bericht des Schweizer Fernsehens

4 thoughts on “Corpus Delicti

  1. Danke für den Hinweis.
    Ich habe heute das Buch gekauft und bin schon bei Seite 96 angelangt.
    Spannend, sehr zu empfehlen

  2. Wenn ich etwas will, das einfährt: es gibt so grüne Kräuter, die mit Tabak vermischt werden.
    Wenn die Tabaksteuer weiterhin so ansteigt wie angedroht, taugen diese Kräuter sehr gut als Tabak-Streckmittel 🙂

  3. Pingback: Sackstark! | Alain Berset will neues Polizeiregime im Kampf gegen Raucher

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