Happy Hour im Lapin

neoliberal_forteTrotz Happy Hour war das «Lapin» fast leer, obwohl während einer Stunde zwei Drinks zum Preis von einem offeriert werden. Heinz hatte schon zwei Herrgöttli hinter die Binde gekippt, als er Ruedi schnellen Schrittes auf die Eingangstüre zukommen sah, die der Hitze wegen offen stand. Er winkte ihn zu sich und Ruedi zwängte sich auf den Barhocker. Stöhnend meinte er: «Diese Hitze bringt mich noch um.» – «Na, dann bestell schnell ein Bier, das kühlt und beruhigt ungemein.» grinste Heinz. Ruedi leerte das erste Herrgöttli in einem Zug, steckte sich eine Zigarette in den linken Mundwinkel und bestellte gleich noch eines. Heinz gab ihm Feuer. Dann sagte er: «Seit zwei Tagen hatte meine Frau unerträgliche Bauchschmerzen. Gestern rief sie mich im Büro an und sagte, sie sei um drei Uhr nachmittags ins Spital gegangen und die wollen dort einige Tests machen.» – «Was kam raus, etwas Schlimmes?» – «Nein, sie ist heute Abend bereits wieder zu Hause, im Austrittsbericht stände: »gesund entlassen«. Sie hätte sich fürchterlich gelangweilt im Spital und konnte nicht verstehen, weshalb der eine Test gestern und der andere erst heute gemacht wurde. Beide waren ohne Befund. Ich sagte ihr, daß es deshalb so lange dauere, weil sie dann übernachten müsse, was die Spitäler besser auslastet und diese sich die Übernachtung von den Krankenkassen fett vergüten lassen.» – «Meinst du wirklich, die tun das mit Absicht?» – «Aber sicher doch, das Spital sei kaum mit Patienten belegt gewesen und wir wissen doch, daß ein Hotel nicht rentiert, wenn die Zahl der Übernachtungen nicht stimmt.» – «So eine Sauerei! Deswegen haben wir wohl in einer Finanzkrise Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Der Couchepin schnallt aber auch gar nichts! Erst erhöht er die Franchise und den Selbstbehalt auf Medikamente, um sich dann mit den tieferen Prämienerhöhungen als Sanierer zu brüsten, läßt aber gleichzeitig keine Parallelimporte von Medikamenten zu, dann nimmt er den Invalidenrentnern die Ehepaarrente weg, immerhin eine Reduktion auf einen Schlag von durchschnittlich 27 Prozent pro Ehepaar, schmeißst dann die Komplementärmedizin aus dem Leistungskatalog, macht die Raucher für die Prämienerhöhungen verantwortlich, indem er sie als asoziales Pack bezeichnet, und erst kürzlich schmetterte er auch noch eine Petition zum Verbot von Tartrazin (E102) und Cochenillerot A (E124) in Lebensmittel für Kinder ab, Nahrungsmittelfarbstoffe, die Allergien und asthmatische Anfälle auslösen. In Deutschland wäre der wohl schon längst weg vom Fenster – doch mit uns kann man das ja machen.» – «Tja, es scheint so…»

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