Gedanken zum G-8 Gipfel

 

 

Als vergangene Woche die Bilder von bürgerkriegsähnlichen Schlachten und filmreifen Verfolgungsjagden gesendet wurden, herrschte bei mir allenthalben nur Kopfschütteln. Das soll wirklich Deutschland 2007 sein?

 

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Eingesperrte Politiker – Ausgesperrte Demonstranten

 

Was sich kriminelle Berufsrandalierer und Polizei in Heiligendamm geleistet haben, geht auf keine Kuhhaut. Und transportiert in alle Welt hinaus ein ganz anderes Bild als das des vergangenen Jahres. Die hehren Ziele der echten Gipfelgegner traten in den Hintergrund.

 

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Greenpeace wird von der GSG-9 gejagt

 

Der Gipfel ist wahrscheinlich weder als Erfolg zu feiern noch als bloße Absichtserklärung zu verdammen. Das Groteske ist, dass diese Entscheidung in Politik und Medien heute mehr Raum einnimmt als die Lösung des Problems, für die die Zeit immer knapper wird.

 

Die Generation X, die heutigen Kinder und Jugendlichen, die ihre Bildung, ihr Weltbild und ihre ?Werte“ zu einem Großteil aus den Jauchegruben des Internets saugen, wird die Dinge in Zukunft nicht einfacher machen.

 

Komasaufen, Happy Slapping, das willkürliche Zusammenschlagen Unbekannter und die Aufnahme der Tat mit dem Handy oder einer Videokamera, gewinnen auch unter Deutschlands Jugend eine immer breitere Anhängerschaft. Und 11- bis 13jährige Mädchen suchen einen Psychiater auf, weil sie sich sorgen, nicht normal zu sein, wenn sie noch keinen Geschlechtsverkehr hatten.

Die gestern veröffentlichte, unter der falschen Flagge der Terrorbekämpfung segelnde Entwicklung der weltweiten Rüstungsausgaben, auch in Deutschland, ist auch nicht gerade geeignet, für die Jugend eine Vorbildfunktion einzunehmen, zumal viele Heranwachsende nicht ohne Grund davon ausgehen, dass es hierbei mehr um die Sicherung wirtschaftlicher Interessen als um die Bekämpfung von Terror geht. Denn mit Flugzeugträgern, Panzern und Streubomben lassen sich Kofferbomber und Selbstmordattentäter nicht stoppen.

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Heute morgen schreibt die Financial Times Deutschland, dass Stephen Schwarzman, Chef der Investmentgesellschaft Blackstone, die auch an der Deutschen Telekom beteiligt ist, im vergangenen Jahr 398,3 Mio. US$ verdient hat. Vor dem Hintergrund der geplanten Auslagerung von 50.000 Stellen bei der Telekom hinterlässt das mehr als einen faden Beigeschmack. Und das sollte es auch bei den Aktionären.

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Vielen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, die komplexe Zusammenhänge kaum noch erfassen können und die mit plakativ aufbereiteten Ausschnitten der Wirklichkeit konfrontiert werden, muss sich hier zwangsläufig ein Bild der Welt zeigen, das sich so selbst den damals irregeleiteten RAF-Anhängern nicht präsentierte: Eine Gesellschaft im Sinne von Thomas Hobbesä(TM) ?Homo homini lupus„, in der die Starken die Schwachen fressen.

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Ausbaden darf den Schlamassel, wie jetzt in Heiligendamm, dann letztlich die Polizei. In Bayreuth ist eine von fünf Eliteeinheiten der Bundespolizei stationiert, die auch zum Schutz des G8-Gipfels eingesetzt wurde. Und deren Fahrzeuge wurden sogar auf der Rückfahrt nach Oberfranken beschossen.

 

Noch geht es den großen Industrienationen, finanziell gesehen, ausgezeichnet. Wie sich das Klima (und ich meine nicht nur das Wetter) entwickeln wird, wenn einmal die biblischen sieben mageren Jahre anbrechen, daran will ich gar nicht denken.

 

[Carolus Magnus]

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