Paßkontrolle im Supermarkt

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Guet Nacht am Sächsi

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Aus den puritanischen und genußfeindlichen USA auf Großbritannien überschwappend und von der dortigen Insel mit wenig Verzögerung auch den gesamten EU-Kontinent infizierend werden immer ungeheuerlichere Ausgeburten von Verboten aus kranken Hirnen produziert.

In Großbritannien hat der Verbotswahn ein neues absurdes Ausmaß erreicht: Die in Großbritannien größte Supermarktkette «Tesco» verkauft neuerdings weder Bier noch Wein an Kunden, die in Begleitung ihrer Kinder sind. Das Unternehmen will mit dieser drastischen Maßnahme in vorauseilendem Gehorsam eines bereits weit fortgeschrittenen Kindermädchenstaates seinen Beitrag zum Jugendschutz leisten und verhindern, daß Erwachsene für Minderjährige Alkoholika einkaufen. Dies frei nach dem Motto, daß jeder Erwachsene zuerst einmal a priori als schuldig zu betrachten sei, bis er das Gegenteil beweist.

Begründet wird die Neuregelung angeblich mit der Angst vor Strafzahlungen. Großbritannien sieht happige Geldstrafen vor um die leeren Staatskassen zu füllen. Geschäfte, die dreimal beim Alkoholverkauf an Jugendliche erwischt wurden haben eine Geldbuße von 10.000 Pfund (circa 20.000 Franken oder 12.500 Euro) zu gewärtigen. Tesco, 1919 gegründet, betreibt in Großbritannien 1.988 Supermärkte und beschäftigt 240.000 Mitarbeiter und erzielte 2007 einen Umsatz von 48 Milliarden Pfund (circa 100 Mrd. Schweizer Franken oder 61 Mrd. Euro). Da dürfte man doch zu Recht meinen, daß diese Bussen aus der Portokasse bezahlt werden können.

Die Kassenkräfte von «Tesco» wurden Gerüchten zufolge in speziellen Schulungen auf die neue Situation vorbereitet und müßten neu von jedem Kind oder Jugendlichen unter 18 Jahren einen Altersnachweis verlangen, der den erwachsenen Kunden bei einem Kauf von Bier oder Wein begleitet.

Kunden und Verbraucherschutz zeigen sich empört über das Vorgehen der Supermarktkette. Zwar ist man sich weitgehend darüber einig, den Alkoholkonsum von Jugendlichen einzuschränken, aber eine Paßkontrolle an den Supermarktkassen von «Tesco» sei dann doch der Gipfel. Keiner will sich den vielen peinlichen Situationen aussetzen.

Einer Mutter in Begleitung ihres 18-jährigen Sohnes wurde beispielsweise der Kauf eines Kastens Bier verweigert, weil der Junge seinen Paß nicht dabei hatte und man die mündliche Altersangabe der Frau nicht glauben wollte. Sie wurde vor allen Leuten als Lügnerin dargestellt.

Auf der andern Seite verkauft «Tesco» seine alkoholischen Getränke sogar unter dem Großhandelspreis, wie «THE SUN» in ihrer Ausgabe vom 21. Februar 2008 zu berichten weiß. «Tesco» wandte sich, Taktik Flucht nach vorn, gar persönlich an Gorden Brown zu einem Schwätzchen um eine Gesetzesvorlage einzubringen, die eine vernünftige Preispolitik von Alkohol sicherstellen soll, denn bisher verbiete das Wettbewerbsgesetz einheitliche Preisabsprachen. Würden wir die Preise erhöhen, so «Tesco» weiter, gingen unsere Kunden einfach woanders einkaufen.

Welche Kundenfreundlichkeit und Menschlichkeit bei «Tesco» tatsächlich vorherrschen, berichtet «THE SUN» in ihrer Ausgabe vom 11. Dezember 2007, wie eine eigens von «Tesco» (Blackpool in GB-Lacaster) eingeladene Wohltätigkeitsband von firmeneigenen Sicherheitsleuten des Hauses verwiesen wurde. The Guardian Concert Band, begleitet von vielen singenden Einkäufern, wurden allesamt angewiesen, sich vom Acker zu machen. Als Erklärung schob der Firmensprecher die Schuld auf eine neue Firmenpolitik des Supermarktgiganten und auf „zu großen Andrang im Gebäude“. Der Bandleader, Neil Coleridge-Smith meinte wütend: „Das Gefühl aller war, daß die bloß mehr Platz für die Verkaufsauslage der Adventskränze wollten“.

Wie weit der rigorose Verbotswahn in Großbritannien, der im Übrigen fast immer mit dem Jugendschutz in Verbindung gebracht wird und einige Jahre später auch in Deutschland und der Schweiz Einzug hält, noch gehen wird, kann niemand voraussehen. Solche Wellen der Bevormundung tendieren gewöhnlich, sich zu einem Tsunami auszuweiten. Dazu reicht ein Blick über den Teich, wo erwartungsgemäß die Welle ihren Ursprung nahm. «Tesco» hingegen dürfte mit ihren Allmachtsphantasien sicherlich einen nicht unwesentlichen Kundenstamm für immer vergrault haben und das ist gut so. Es ist dies die einzige Sprache, die Großfirmen und ihre Aktionäre verstehen.

In Deutschland geht der Verbotsirrsinn weiter. An vielen Supermarktkassen sind die Zigaretten durch geschlossene Gitter geschützt. Will man Zigaretten kaufen, muß man erst die Kassiererin bitten, das Gitter aufzuschließen.

In der Schweiz sieht es in der genußfeindlichen BAG-Küche von Thomas Zeltner nicht besser aus: Shops wie etwa Coop Pronto, Avec und Aperto sowie Kioske in allen Schweizer Bahnhöfen verzichten ebenfalls freiwillig ab April 2008 auf den Verkauf von Alkohol ab 22 Uhr. Doch dies genügt unserer bemutternden Helvetia noch nicht. Der Bund will noch weitergehen und ab 21 Uhr den Verkauf von Alkoholika über die Gasse generell verbieten.

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Patrick Schäfli von VSIG – Handel Schweiz dazu: „Nachtverkaufsverbot von Alkohol, ein erneuter Angriff des BAG auf die Handels- und Gewerbefreiheit!“ – „Ein Nachtverkaufsverbot von Alkohol ab 21.00 Uhr hat keinerlei Wirkung auf den Alkoholkonsum der Jugendlichen. Untersuchungen in anderen Ländern zeigen, dass alkoholische Getränke dann einfach vor 21.00 Uhr beschafft werden. Mit diesem Verkaufsverbot in der Nacht wird somit lediglich Sand in die Augen der BürgerInnen gestreut.“ weiterlesen

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Es wird nicht lange dauern bis auch bei uns der «Tesco»-Wahnsinn eingeführt wird!

Carolus Magnus

10 thoughts on “Paßkontrolle im Supermarkt

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  5. Zum Verkaufsverbot ab 21:00
    Wenn ich mit ein paar Kumpels grillieren gehe, nehme ich in der Regel genug Bier für alle mit,
    So ca 3 Büchsen pro Nase.
    Wir wissen, dass wir Nachschub an der Tankstelle holen können, sind dann meist zu faul dazu.
    Also werden wir in Zukunft sicherheitshalber das doppelte mitnehmen und natürlich alle Dosen leeren.

    Bisher: 1.5 Liter Bier pro Person
    in Zukunft: 3 Liter Bier pro Person
    Was ist den BAG-konformer?

  6. zu Tesco:
    müssen in Zufunft Eltern den Kinderwagen inkl. Baby draussen stehen lassen.
    Es gibt sicher (hoffendlich) ein Gesetz, das verbietet, Kleinkinder unaufbesichtigt zu lassen.

  7. Also eine alleinerziehende Mutter muss einen Babysitter anheuern, wenn sie Alkohol kaufen will. Vielleicht verkauft tesco den Alkohol deshalb schon etwas günstiger?! Ich muss vorsichtshalber schonmal mehr Alkohol einkaufen wenn ich in der Schweiz feiern will, weil ich keinen mehr später am Abend bekomme?! Irre ich mich, oder fördern all diese „Maßnahmen“ den Alkoholumsatz??? Für tesco war das wohl einfach eine Aktion, die in die populäre Meinung „Alkoholkonsum bei Jugendlichen einschränken und gutes Vorbild sein“ mit einstimmen sollte schätze ich. Viel Umsatzeinbußen werden die jedenfalls nicht gehabt haben. Die profitieren ja doch meistens von all ihren Aktionen.

  8. Was soll ich sagen? Was in UK ist, kam von den USA und wird bald auch bei uns der Fall sein. Leider!

    Politiker zu unterstellen, sie würden anderes als nur ihre eigenen Interessen wahren, die immer ideologischer und sektenartiger werden, zeugt von Naivität.

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