Die Ignoranz der Tabakkonzerne (1)

Die Ignoranz der Tabakkonzerne

Der Selbstanbau von Tabak läßt in Deutschland nach wie vor zu wünschen übrig.

2007-12-18.png

Es ist reichlich absurd wenn in der Antirauchpropaganda immer wieder so getan wird, als würden die Tabakkonzerne die Interessen der Raucherinnen und Raucher für die Freiheit des Rauchens vertreten. Das ist etwa ähnlich absurd wie die Behauptung, die Lebensmittelkonzerne wären Anwälte für die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Tatsächlich gibt es zwischen den Konsumenten, also den Nutzerinnen eines Produktes und der dieses Produkt herstellenden Industrie sowie den Handelsketten erhebliche Interessenskonflikte. Die Industrie und der Handel haben ein Interesse an einer möglichst hohen Gewinnspanne, der Verbilligung der Produktion und des Transports. Gerade im Lebens- und Genußmittelbereich stehen jedoch z.B. die Interessen einer langen Haltbarkeit und gute Lagerung der Produkte als originäres Interesse der Konzerne, im Widerspruch zum Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher an möglichst frischen und nicht durch überflüssige Zusatzstoffe belasteten Lebens- und Genußmitteln.

Lange Lagerung und weite Transportstrecken senken stets die Qualität. Noch schlimmer ist, daß die Zugabe von Zusatzstoffen um die Haltbarkeit der Produkte zu erhöhen oder um ihr Aussehen zu verbessern um so die Konsumenten zu täuschen. Häufige, direkte Gesundheitsschäden für die Verbraucher sind die Folge. Auch Zigaretten und Tabak werden in diesem Sinn verfälscht mit Zusatzstoffen, die Krebs und andere Krankheiten auslösen. Ähnlich wie Waschmitteln Parfümstoffe beigemengt werden, die dann als Allergene die Massenausbreitung allergischer Erkrankungen fördern, werden auch Tabake teilweise parfümiert.

Außerdem sind wesentliche Teile der Schädlichkeit des Tabaks nicht auf den Tabakkonsum an sich zurückzuführen sondern auf den Konsum industriell produzierter Zigaretten. Pfeifen, Zigarillos, Zigaretten mit alkalischem Rauch und Zigarren sind wesentlich weniger gesundheitsschädlich, da sie nicht lungengängig geraucht werden. Für Kau- und Schnupftabak gilt dies natürlich erst recht. Hier ließen sich sicher auch noch weitere und moderne, den Lebensgewohnheiten angepaßte Produkte vorstellen.

Das eigentliche Problem liegt in den Zigaretten, wie sie nach dem «American Blend»- Verfahren seit 1913 hergestellt werden. Der eigentlichen Industriezigarette, wie sie heute fast ausschließlich vertrieben wird. Gerade der geringe Nikotingehalt ist hier eines jener Probleme, welche den Konsum anheizt – natürlich ganz im Interesse der Tabakkonzerne. Und diese Zigarette wird, da chemisch manipuliert und deshalb weniger sensibel für Zunge und Rachen ist, gewöhnlich auf Lunge geraucht was einen wesentlichen Teil ihrer Schädlichkeit ausmacht. Außerdem wird der Tabak hier mit schädlichen Zusatzstoffen versetzt, zum Beispiel mit Mitteln zur Erhaltung der Feuchtigkeit. Die Tabakkonzerne sind groß geworden mit der Verbreitung dieser Zigarette und auch heute noch abhängig von ihrem Patent. Sie haben dabei im Laufe der Geschichte rücksichtslos alternative Rauchwaren und lokale Produzenten und Produzentinnen an die Wand gedrängt.

Eine andere Kultur des Tabaks wird sich nur gegen sie durchsetzen lassen, indem man die „American Blend“-Zigarette aus dem Markt nimmt, was natürlich den Interessen der verbliebenen großen Tabakkonzerne zuwiderläuft. Die sogenannten Weiterentwicklungen der Zigaretten durch diese Konzerne sprechen hier Bände. Grundsätzlich wird eine Alternative zur „American Blend“ gar nicht erst ernsthaft zugelassen, sondern ganz im Gegenteil: Die Konzerne versuchen durch gezielte Desinformation alles um ihre Marktmacht weiter in Entwicklungsländern auszubauen. Sie verhalten sich hier wie andere Konzerne aus der Lebens- und Genußmittelbranche, die mit ihren Light-Produkten zweifelsohne mehr gesundheitlichen Schaden als Nutzen anrichten, dafür aber daran hervorragend verdienen.

Normal wäre, es den Menschen zu überlassen, welche Tabakprodukte, ob nun Zigaretten, Zigarren, Schnupf- oder Kautabak sie wie konsumieren wollen. Die autarke Selbstbestimmung setzt aber erst einmal differenzierte und klare Informationen voraus. Das heißt, genauso wie bei anderen Lebens- und Genußmitteln sollte auch bei Tabakwaren eine differenzierte Ausschilderungspflicht bestehen. Alle Zusatz und Verarbeitungsstoffe, die in den Tabak nachträglich eingebracht worden sind, sollten deklariert werden. Wünschenswert wäre, daß sowohl bei Lebens- wie bei Genußmitteln im allgemeinen insbesondere auf krebserregende und allergene Stoffe hingewiesen würde. Dummerweise würden dann die Tabakkonzerne erhebliche Schwierigkeiten bekommen, da nach einschlägigen medizinischen Untersuchungen ein maßgeblicher Anteil der Gesundheitsschädigung durch den Tabakkonsum nicht auf den Tabak an sich, sondern auf die industrialisierte Verfügbarkeit, auf die Art seiner Verarbeitung und die Zusatzstoffe zurückzuführen ist. Statt porno-medizinische Ekelbilder auf dreißig Prozent der Fläche der Tabakbehältnisse zu drucken, wären gezielte Informationen über Schadstoffinhalte einem mündigen Bürger wesentlich dienlicher. Auch hier zeigt sich sehr anschaulich, daß es keineswegs um Gesundheitsschutz geht, sondern um pure Ausgrenzung und Verteufelung der Raucher.

Die derzeitige Praxis einer undifferenzierten Ausschilderung „Rauchen ist tödlich“, was ohnehin die bisher größte Lüge im Kampf gegen den Raucher ist – ich müsste ja gleich nach dem ersten Zug tot umfallen – dient letztendlich damit den Interessen der Tabakindustrie, da sie die Verbreitung alternativer Tabake und von Alternativen zur Zigarette verhindert. Denn durch diese Ausschilderung wird fälschlicherweise der Eindruck erweckt, als existiere gar kein erheblicher Unterschied zwischen ökologisch angebauten und schonend verarbeiteten Tabaken und den Produkten der Großkonzerne. Der gesundheitliche Unterschied ist aber enorm. Letztendlich führt der undifferenzierte Warnhinweis auf allen Tabakpackungen damit sogar zur Erhöhung der Gesundheitsbelastungen von Rauchern; und zwar zu einer, die sie nicht frei bestimmen können. Und dies ist der eigentliche Skandal.

Für das Rauchen ergeben sich hier ähnliche Probleme, wie für den Genuß anderer Lebens- und Genußmittel. Als Verbraucherin habe ich häufig das Problem überhaupt zwischen den unterschiedlichen, schlecht ausgeschilderten und bewusst vom Handel mit verwirrenden Namen versehenen Produkten zu unterscheiden. Versuche ich mir außerdem eigenständig vernünftige Informationen aus der Vielfalt von Schriften zur richtigen oder falschen Ernährung herauszusuchen, so bekomme ich auf fast jede Frage drei sich widersprechende Antworten, oder, falls gerade eine Modewelle über das Land schwappt auch nur eine der Mode entsprechende, der dann aber nach wenigen Monaten um so heftiger widersprochen wird. Die Tabakkonzerne tragen hier gemeinsam mit der Antirauchlobby zur Desinformation der Raucherinnen und Raucher bei und man versteht nun auch, weshalb Antiraucher stets die Raucher als der Tabakmafia zugehörig betiteln. Demnächst müssen wir wohl auch mit genetisch manipulierten Tabaken auf dem Markt rechnen.

Dazu kommt das schonend verarbeitete Lebens- und Genußmittel aus ökologischem Anbau häufig erheblich teurer sind und somit auch eine Frage meines Einkommens ist, wieviel Gesundheit ich mir leisten kann noch leisten kann.

Die US-Tabakkonzerne agieren leider auch sonst nicht unähnlich wie die Bananen- und Fast Food Multis. Die Arbeitsbedingungen auf vielen Tabakplantagen sind menschenunwürdig und die Umweltvergiftung durch Pestizid und Herbizideinsatz teilweise erheblich. Auf politischer Ebene nutzen gerade die US-Konzerne ihren Einfluß um Marktöffnungen in anderen Staaten zu erzwingen und um den lokalen Tabakanbau zu zerstören.

Dies ist also nicht ein Problem, das auf den Tabakgenuß oder das Rauchen zurückzuführen ist, sondern auf unser Gesellschaftssystem und unsere Art und Weise der industriellen Produktion. Eine Kritik und Veränderung müsste hier ansetzen. Und ich wäre die Letzte die bestreiten würde, daß hier ein kaum noch zu mißachtender Handlungsbedarf besteht.

Insofern wäre, außer fair gehandeltem Reis und fair gehandelter gentechnisch nichtmanipulierter Soja auch ökologisch angebauter und fair gehandelter Tabak wünschenswert. Dies wird aber auch nicht leichter durchzusetzen sein als bei Reis, Soja oder Kaffee. Insbesondere nicht, da es sich hier zum Teil um dieselben Konzerne handelt, denn ein Teil der Tabakproduktion und des Vertriebs ist im Rahmen der Globalisierung inzwischen von großen Lebens- und Genußmittelkonzernen übernommen worden. Letztendlich wird ohne eine grundlegende Änderung des Gesellschaftssystems hier nichts zu erreichen sein. Die Verantwortung dafür den einzelnen Verbraucherinnen und Verbrauchern anzulasten wird nicht zur Lösung beitragen. Denn die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher haben weder die Zeit zur Auswahl und Prüfung, noch das Geld, um ausschließlich fair gehandelte und ökologisch angebaute Produkte zu kaufen. Auch hier bilden Raucherinnen und Raucher keine Ausnahme.

ada_frankiewicz.png

Revised by Carolus Magnus

Fortsetzung folgt, morgen Sonntag

8 thoughts on “Die Ignoranz der Tabakkonzerne (1)

  1. Pingback: Pligg

  2. Pingback: hartmut-lehmann.com

  3. Es ist üblich, das man gegen den „Mann“, in diesem Fall die Tabakkonzerne schiesst, wenn einem die Argumente ausgegangen sind.
    Auch wenn die bösen Tabakkonzerne etwas gegen die Antiraucher-Hysterie unternehmen würden:
    Damit wir das Passivrauchen weder gesünder noch ungesünder.

    Dem oberen „Raucherarschloch“-Typ sind offensichtlich auch die Argumente ausgegangen.

    Vielleicht könnte im der Genuss einer Zigarette genug Nikotin zuführen, dass er sich wieder erinnert, was die Worte „Anstand“ und „Diskussion“ bedeuten.

  4. Pingback: Eine News von pigg.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.