Antiraucherlobby – Hintergründe und Interessen (2)

 

Die Antiraucherlobby, die Politik und der Medizinisch-Industrielle Komplex – Hintergründe und Interessenverflechtungen

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Teil 2

«Ich liebe Mammutbäume und finde sie sollten überall gepflanzt werden.»

Man muss all diese vielen kleinlichen Interessen zusammen sehen und sie in Zusammenhang bringen mit den konkreten Eigeninteressen nach Marktausweitung des medizinisch-industriellen Komplexes, um zu begreifen, welche Funktion das Reden über das Rauchen, über Suchtgefahren und Krebs haben. Nur so lässt sich begreifen, wie diese einseitigen Darstellungen sich soweit verbreiten und fast zum Allgemeingut werden konnten.

Letztendlich erschließen sich hier auch Ärztinnen und Ärzte neues Patientengut ohne Rücksicht auf die Integrität der Betroffenen. Denn dort wo über Raucherinnen und Raucher geforscht wird, geschieht dies nicht um ihre Interessen zu wahren. Es geht nicht darum, z.B. den Genuss der Zigarette zu erhöhen, ganz im Gegenteil, die Raucherin, beziehungsweise der Raucher selbst wird zur Krankheit erklärt. Ihnen wird massiv Angst gemacht, bis sie sich selbst als Kranke, Suchtabhängige sehen. Damit sie sich am besten dagegen in Behandlung begeben. Hier wird die Angst der Menschen kapitalisiert und daraus Profit geschlagen. Dies wird leider zunehmend zu einem Grundmoment der modernen Medizin, denken wir z.B. auch an die genetische Diagnostik. Auch dort werden unter dem Begriff der genetischen Disposition bisher gesunde Menschen für krank und behandlungsbedürftig erklärt. So schaffen sich Ärztinnen und Ärzte selbst neue Märkte für medizinische Produkte.

Im medizinisch-industriellen Komplex besteht außerdem ein widersprüchliches Interesse an Krankheit und Langlebigkeit. Menschen, die möglichst lange möglichst krank sind oder sich zumindest so fühlen und bereit sind Geld für ihre Heilung auszugeben, sind die Vorraussetzung für maximale Gewinne. Das Ziel aller ärztlichen Bemühungen ist deshalb eine Lebensverlängerung, unabhängig davon, was für ein Leben dies für die betroffenen Patientinnen und Patienten bedeutet. Die Entscheidungsgewalt über ihr Leben wird den Behandelten genommen.

Raucherinnen und Raucher nehmen sich durch ihre Entscheidung für das Rauchen einen Teil dieser Entscheidungsgewalt zurück. Das ist der eigentliche Skandal, weswegen das Rauchen im Behandlungsprozess derartig stigmatisiert wird.

Dabei glauben viele, der in diesem Bereich Beschäftigten zweifelsohne, sie würden nur in unserem Interesse handeln. Sie haben sich lange genug eingeredet, daß ihre Interessen, automatisch auch die der Patientinnen und Patienten seien. Gerade deshalb haben sie auch nicht viele Gewissensbisse, wenn sie uns für unmündig erklären, für unvernünftig und als Süchtige diffamieren. Gerade in der Diskussion über das Rauchen maßen sich zumindest einzelne Medizinerinnen und Mediziner an, zu bestimmen, was für uns das Beste sei.

Gegenüber dem medizinisch-industriellen Komplex, der erhebliche Teile unseres Bruttosozialproduktes verschlingt, sind die Tabakkonzerne wirtschaftlich unbedeutend. Das sich Antirauchgruppen in diesem Kontext als kleine Davids, die gegen den Goliath kämpfen, stilisieren weist auf ihre völlige Verkennung der Realitäten. Ein für sektiererische Gruppen typisches Gebaren.

Aber Konzern bleibt Konzern und unser Glück haben beide nicht im Sinn, weder die Tabak- noch die Gesundheitsindustrie. Es geht um Gewinn. Unsere Interessen werden wir nur gegen diese Interessen durchsetzen können. Deshalb spricht nichts gegen ausführliche Informationen über die Gefahren des Rauchens und über die Tabakkonzerne und die Produktionsbedingungen des Tabak, nur das gleiche gilt noch sehr viel mehr und sehr viel radikaler für den medizinisch-industriellen Komplex und die Angebote der Medizin.

Einem Moloch dem wir von Kindheit an in ganz anderer Weise ausgeliefert werden. Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zwang zum Rauchen schon in der Vorschulzeit, Zwangsuntersuchungen für Kinder werden hingegen einfach hingenommen. Die immer weitere Medizinalisierung des Lebens, die Selbstbedienungsmentalität dieses Industriekomplexes trifft auf kaum Widerstand. Im Gegenteil eine unkritische Öffentlichkeit fordert, ähnlich wie im Bereich der Ausdehnung polizeilicher Befugnisse, nach immer mehr. Die Angst vor Krankheit wird hier instrumentalisiert und Menschen, die sich wehren, müssen damit rechnen, als verrückt abgestempelt zu werden. Und in der Medizin geht es um mehr als in der Tabakindustrie, die es nur auf unsere Brieftasche abgesehen hat. Ihr geht es um den ganzen Menschen, die Totalerfassung. In der Medizin geht es um einen totalitären Zugriff auf alles menschliche Leben. Dem gilt es sich entgegenzustellen.

Die Gefahren für unser Leben und unsere Freiheit gehen nicht so sehr vom Tabakkonsum aus, sondern vom Gesundheitsfetischismus. Denn die schlimmste Diktatur ist die Diktatur, der wir uns selbst aus manipulativ eingetrichteter oder realer Angst unterwerfen. Viel wichtiger als Krankheiten zu heilen ist es, den Umgang mit Krankheit und Tod wieder zu erlernen, um sich nicht selbst einem lebensfeindlichen Totalitarismus alltäglicher Selbst- und Fremdmedizinalisierung auszusetzen, um uns nicht selbst gleichzuschalten.

Dazu ist gar kein Staat blauer Ameisen nötig, denn die auf Angst aufbauende Selbstdisziplinierung und Selbstauslieferung an ein totales medizinisches System ist sehr viel wirksamer. Wie viele Leute sind ihr ganzes Leben nur noch damit beschäftigt für ihre Rente zu arbeiten oder ihre Krankenversicherung, ihren Light-und-Fit Essensplan zusammenzustellen und Sport zur Gesunderhaltung zu betreiben, ohne überhaupt noch zum Leben zu kommen?

Alle staatlichen und privatwirtschaftlichen Institutionen neigen dazu, ihre Macht und ihren Zugriff auf die Menschen immer weiter auszudehnen, denn wer die ;acht hat, der gebraucht sie auch. Das gilt sowohl für den Überwachungsstaat, also die Polizei und die staatlichen politischen Verfolgungsbehörden, als auch für die medizinischen Dienste und die pharmazeutische Industrie. Die treibenden Kräfte sind dabei nicht irgendwelche Weltverschwörungen oder Geheimbünde, sondern vielmehr die ganz alltäglichen individuellen, egoistischen Handlungsmuster, denen sich auch Ärztinnen, Ärzte, Polizistinnen und Polizisten nicht entziehen können. Jede und jeder versucht eben, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Und der Zugriff läuft heute über das Ansprechen unserer Ängste und Wünsche, ihre Instrumentalisierung zum Zweck der Kontrolle und Disziplinierung. Dem gilt es sich zur Wahrung der Freiheit und des lebendigen Lebens entgegenzustellen.

Heute läuft Politik, zumindest primär, nicht mehr über obrigkeitsstaatliche Verbote, sondern über die Manipulation unseres Selbst, über das Eindringen immer weiterer Zwänge, die wir uns scheinbar freiwillig auferlegen. Die Erfahrungen von Raucherinnen und Rauchern, mit einer Zunahme der Repression aber auch und insbesondere eigener Zwänge und Disziplinierungsanstrengungen, dem eingeredeten schlechten Gewissen, ist in einem größeren Kontext der Zunahme disziplinatorischer Zugriffe auf unser Leben im Allgemeinen zu sehen. Sie ist zu sehen im Kontext eines alltäglichen Anwachsens von Normierungszwängen in einer Gesellschaft in der repressive Gewalt zunehmend durch psychologisch ausdifferenzierte Strategien ersetzt werden.

Das Verbot des öffentlichen Tabakgenusses beziehungsweise seine heutige Stigmatisierung ist nicht zufällig über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Ziel obrigkeitsstaatlich dirigistischer Eingriffe gewesen. Denn wie kaum eine andere öffentliche Alltagshandlung symbolisiert das Rauchen im Kleinen, Alltäglichen, eine Abweichung, ein kleines unvernünftiges und aus der Sicht des Staates disfunktionales Stück Lebendigkeit.

Rauchen, Rausch ist Teil der überflüssigen und damit unserer freiheitlichen Handlungspotentiale. Etwas das uns vielleicht erinnert an Alternativen zu dieser Disziplinargesellschaft.

Dieses Stück Freiheit und andere Lebensmöglichkeiten gilt es zusammen mit Raucherinnen und Rauchern auszuweiten.

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Revised by Carolus Magnus

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