Entwicklungssprung dank Masern und Kapnophobie?

Die Schweiz exportiert die Masern

«Die Wissenschaft ist sich für einmal einig: Am Passivrauchen und am Masernimpfen ist noch nie jemand gestorben.»

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wunderheiler

An den Masern kann man sterben. Ein junger Knabe starb 2002 in Luzern und ein 28 Monate altes Mädchen davor in Genf. Beide waren nicht geimpft. Eine Frau, gleich alt wie ich, sandte mir letzte Woche einen Brief mit ihrer Leidensgeschichte, weil sie an den Spätfolgen einer Maserninfektion leidet. All dies ist unermeßlich traurig und müsste nicht sein.

Zugegeben, die Masern verlaufen meist komplikationslos. Nur, was heißt das schon. Manche Leserin oder mancher Leser kann sich erinnern, wie unangenehm es damals war, als kleines Kind eine Woche lang mit hohem Fieber im Bett zu liegen, an die Ängste, ob die Krankheit überhaupt vorbeigehen wird, den Durst, die Fieberträume. So was kann man verdrängen, wie den Geburtsschmerz. Sicher macht man aber wegen einer solchen Quälerei keinen Entwicklungssprung durch. Woher kommt diese abwegige Idee, leidende Kinder würden sich besonders gut entwickeln? Warum gibt es bloß Eltern, die so etwas ihren Kindern antun wollen? Mit der gleichen Logik müsste man Kinder möglichst viele Krankheiten durchmachen lassen oder gar die Rute, wie zu Gotthelfs Zeiten, wiedereinführen. Nüchtern betrachtet sind Eltern, die sich Masernkinder wünschen, ganz einfach Rabeneltern.

Nun, was hat dies mit Passivrauchen zu tun? Durch Passivrauchen gibt es keine erwiesenen Todesfälle. Was für eine Gehirnakrobatik braucht es, zu meinen, es bestünde ein Recht, andere Menschen anzustecken, aber kein Recht, einem anderen Menschen ein wenig Rauch anzublasen? Vielleicht sind die militanten Antitraucher aber seit kurzem ein klein wenig im Recht, da es einen ersten Passivrauch-Toten gibt. Der Gastwirt Uli S. (60) aus Balingen (Baden-Württemberg) kämpfte seit einiger Zeit an vorderster Front gegen das Rauchverbot in deutschen Kneipen. Es ging um seine Existenz, da sein Umsatz um zwanzig Prozent abgenommen hatte. Der Wirt erhängte sich auf dem Dachboden des «Bären» und hinterließ einen Abschiedsbrief. Es ging darin ausschließlich um seine Verbitterung über das Rauchverbot. Uli S. war seit dreißig Jahren Kneipier und somit Passivraucher. Ist es zynisch, wenn man seinen unnötigen Tod als eine indirekte Folge des Rauchens darstellt? Ich hoffe es nicht.

Kann man daraus etwas lernen? Nein! Solche Todesfälle, ob wegen der Masern oder des Rauchens, sind ganz einfach nur traurig. Die Wissenschaft ist sich für einmal einig: Am Passivrauchen und am Masernimpfen ist noch nie jemand gestorben. Beim Passivrauchen macht der Staat allerdings Vorschriften, beim Impfen nur Empfehlungen. Beim Nichtimpfen zahlt der Staat bei jedem Opfer drauf, von den Rauchern nimmt er Steuern.

Wer behauptet trotzdem, Impfen sei gefährlich? Es sind durchwegs Heiler, die gerne an einem Krankenbett sitzen und auf die Selbstheilung des Patienten warten. Nach der Genesung behaupten sie, es seien ihre «Kügeli» und Wässerchen gewesen, und machen Kasse. Da aber beim Patienten kein Entwicklungssprung vorkommt, merken die meisten gar nicht, wie clever die Heiler sind.

Mit freundlicher und ausdrücklicher Genehmigung des Copyright-Inhabers Beda M. Stadler, Professor für Immunologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern.

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