Vom CVP-Parteiorgan zum Nanny-Staatsorgan?

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Was will sie uns sagen?

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Gestern hatte ich in Luzern eine Verabredung in einem Restaurant – ja, man konnte problemlos rauchen – und da ich etwas früher als vorgesehen da war, wollte ich die Zeit mit Lesen verkürzen und fingerte mir die «Luzerner Zeitung» (LZ) aus dem Wand-Display am Eingang. Etwas verdutzt betrachtete ich die erste Seite auf der Suche nach einem interessanten Artikel. Seit 2006 hatte ich sie erstmals wieder in der Hand, resp. vor mir zwischen einem rechts stehenden, kühlen, angenehm herben «Braugold» und meinem links liegenden .925 silbernen Cigarette Case aus Peru, ein wunderschönes Geschenk einer meiner Verflossenen, und dem ebenfalls silbernen, 36-jährigen «Dunhill» Feuerzeug, welches in dieser filigranen Ausgabe nur noch in Antiquariaten zu finden ist. Schließlich will ich meiner Verabredung nicht die abscheulichen, pornographisch getürkten Medizinalbilder von menschlichen Innereien zumuten.

Ich traute meinen Augen kaum! Nichts zu finden, was mich entweder interessierte oder das ich nicht bereits schon weiß. Ist die LZ, das frühere CVP-Parteiblatt «Vaterland» mit 51 Prozent sowie Ringier mit 49 Prozent Eigentumsrechte aus dem Zusammenschluss der ehemaligen Zeitungen «Luzerner Neuste Nachrichten» und «Vaterland» zu einem Gesundheitsblatt verkommen, das sich fast ausschließlich um die Volksgesundheit kümmern und uns vorschreiben will, wie wir zu leben haben oder gab es gar schlicht keine Nachrichten an diesem Tag?

Hier die Schlagzeilen der LZ vom 08.01.2008

  • Riesen-Karikatur mit Text: Groß und Klein sollen abspecken: Übergewicht wird in der Schweiz zu einem immer größeren Problem. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz (schon wieder so eine Sekte! – Anm. CM!) sagt jetzt den überzähligen Kilos bei den Kleinsten den Kampf an – Seite 3
  • Ganzseitiger Kommentar in Spalte 5 «Abspecken wäre so einfach» von Dominik Buholzer
  • Bioprodukte: Bio kommt immer mehr in Mode. Viele Produkte werden jedoch importiert – Seite 11
  • FCL-Start im Regen: Die Fußballer nahmen gestern bei widrigen äusseren Bedingungen das Training wieder auf – Seite 31
  • Sportarena Allmend: Grüne sind für Stimmfreigabe – Seite 22
  • Gesundheit: Erkältung ist keine Grippe – Seite 20
  • Ausland: Der Luzerner Arzt Ruedi Lüthy hat in Simbabwe eine Aidsklinik gegründet. Zurzeit werden in der Newsland Clinic etwa 1500 Menschen behandelt – Seite 9
  • Naomi Campbell: Das Topmodel geht seit neustem unter die Reporter – Seite 2
  • Wetter: Dank dem Hoch wird es ein Tag mit viel Sonne – Seite 30 (In Luzern hatte es den ganzen Tag keine Sonne – Anm. CM)
  • Tourismus: Luzerner Hotels stehen vor Rekordergebnis – Seite 21

Nun, ich legte die LZ, ohne sie zu öffnen wieder in den Ständer zu den zehn andren Exemplaren zurück und angelte mir den einzigen «Tagesanzeiger». Aber ja doch! Es gab Nachrichten an diesem Tag. Die Journalisten sind also doch nicht in den Streik getreten!

Hier die Schlagzeilen des «Tagesanzeiger» vom 08.01.2008

Schweiz

  • Politiker fordern CO2-Label für Eßwaren
  • Prekäre Straßenverhältnisse
  • Aargauer Großer Rat will Sterbetourismus verbieten
  • «Bildung im Strafvollzug» gut angelaufen
  • SVP Schwyz hält Maß – Nach der Abwahl Blochers aus dem Bundesrat forderten Exponenten der SVP Schwyz – aus Trotz – bis zu vier Sitze im Regierungsrat. Das Ansinnen wurde jetzt gestoppt.»
  • Mehr Kontrollen wegen Lohndumpings gefordert

Kultur

  • Keine roten Teppiche – Wegen des Streiks der Hollywood-Autoren fällt die Gala zur Verleihung der Golden Globes in diesem Jahr aus.

Ausland

  • Srilankischer Minister bei Bombenanschlag getötet
  • Erste Siege für Obama und McCain in New Hampshire
  • Abfallkrise in Neapel spitzt sich zu
  • Thaksins Frau verhaftet – Bei der Rückkehr in ihre Heimat ist die Frau des gestürzten thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra verhaftet worden.»
  • Zwei Raketen vom Libanon auf Israel abgefeuert

Wirtschaft

  • LeShop schreibt weiteren Rekord
  • Georg Fischer kauft in den USA zu
  • Bergbahnen hatten einen traumhaften Start

Sind sich die Leser der LZ eigentlich bewußt, was sie sich bei solcher Lektüre antun? Da hat ja die «BILD-Zeitung», die «Kronen Zeitung» oder der «Blick» noch mehr In- und Gehalt! Beunruhigend finde ich auch den Kursverlauf der Aktie dieser Zeitung, nicht etwa für die Anleger, nein, für das geistige Niveau der Leser, denn die LZ-Aktie steigt und steigt, Jahr für Jahr, im außerbörslichen Handel, was die Vermutung nahelegt, daß dieses Gesundheits-Kaffeekranzblättchen sich dennoch irgendwie verkauft, wohl hauptsächlich in Altersheimen, Arztpraxen und Spitälern – für einen stolzen Abonnementspreis von 356 Franken im Jahr, obwohl es uns absolut nichts zu sagen hat – tagein, tagaus! Tick-tack, tick-tack… gääähhhn…

Carolus Magnus

2 thoughts on “Vom CVP-Parteiorgan zum Nanny-Staatsorgan?

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